historische Namensformen

Die historischen Namensformen unterscheiden sich oft beträchtlich von den heutigen Bezeichnungen. Folgende Hauptschwierigkeiten sind zu bewältigen:
  1. ältere Sprachformen müssen erkannt und umgesetzt werden. Dazu sind philologische Kenntnisse der einzelnen Volkssprachen erforderlich.
    Beispiele: wîler = Weiler, hûsen = Hausen (neuhochdeutsche Diphthongierung); Medelik = Melk (Unterdrückung von Nebensilben).
  2. die (in den Quellen oft verwendeten) lateinischen Namensformen sind aufgrund des Sprachwandels in den volkssprachlichen Formen von heute nur noch schwer wiederzuerkennen. Dies gilt vor allem für die romanischen Sprachen.
    Beispiele:
    Mediolanum
    = Mailand, Panormum = Palermo, Burdegalum =Bordeaux, Lugdunum = Lyon, Osca = Huesca, Flumen Januarii = Rio de Janeiro, Quinque ecclesiae = Fünfkirchen-Pécs, Vratislavia = Breslau.
  3. untergegangene antike Bezeichnungen werden weiterverwendet oder antikisierend wieder eingeführt.
    Beispiele: Castra Regina = Regensburg, Iuvavia = Salzburg.
  4. barocke, aber auch schon mittelalterliche Kunstbezeichnungen.
    Beispiele: Lunelacum = Mondsee, Neoclaustrum = Klosterneuburg; Ansibarium = Osnabrück, Antiqua Civitas = Oldenburg, Athenae ad Salam = Jena, Mons Pavonis = Bamberg, Parthenopolis = Magdeburg, Caroli Hesychium = Karlsruhe.
  5. Orte sind umbenannt oder mit Namenszusätzen versehen worden.
    Beispiele: Zusatz von Ober-, Unter-, Hinter-, Vorder- usw.; Wolframs-Eschenbach statt mittelalterlich Eschenbach; Lûteren = Kaiserslautern oder Königslutter.
  6. synonyme Bezeichnungen können zu Mißverständnissen führen.
    Beispiele: Köln (am Rhein oder Teil von Berlin), Vienna = Wien oder Vienne, Alexandria = Alexandrien in Ägypten oder Alessandria in der Poebene, Neapolis = Neapel oder Nablus; Patavia = Passau, aber Patavium = Padua.

Hilfsmittel zur Namensauflösung:
Standardwerk: Orbis Latinus. Lexikon lateinischer geographischer Namen des Mittelalters und der Neuzeit, hg. v. Helmut Plechl, 3 Bde. Braunschweig 41972.
Für Bistumsnamen speziell bewährt sich auch Konrad Eubel, Hierarchia catholica medii (et recentioris) aevi ..., (1198 - 1903) 8 Bde., 1913ff.


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