Grundbegriffe

Man unterscheidet bei Schriften zwischen

Ferner bestimmt man die Schriften und einzelnen Buchstaben nach

Majuskeln/Minuskeln: bei Majuskelschriften sind alle Buchstaben gleich hoch. Sie lassen sich oben und unten durch eine Hilfslinie begrenzen (Zwei-Linien-Schema):

Bei Minuskelschriften sind die Buchstaben unterschiedlich hoch: einige halten sich ebenfalls zwischen diesen beiden Hilfslinien, andere überschreiten sie nach oben, andere nach unten, wieder andere in beide Richtungen. Die Buchstaben können also zusätzlich zum Mittelband Ober- und Unterlängen haben. Auf diese Weise entsteht ein Vier-Linien-Schema:

Versalien/Textschrift: es kommt vor, da0 der erste Buchstabe eines Wortes besonders verziert oder aus einer anderen Schrift genommen wird, um dieses Wort hervorzuheben; solche Anfangsbuchstaben nennt man Versalien. Versalien spielen auch beim Layout der Buchseite einer wichtige Rolle. (Von "großen" und "kleinen" Buchstaben spricht man in der Paläographie nicht, weil die Versalien gleich groß oder sogar kleiner sein können als die Textschrift; entscheidend ist die Hervorhebung durch die Schriftwahl.)

Buchschriften/Kursivschriften: Buchschriften sind die sorgfältig ausgeführten, meist steilstehenden Schriften mit einzeln gesetzten Buchstaben, die man für wichtige Schriftstücke verwendet. Kursivschriften sind Schriften, die "laufen", d.h. die schneller ausgeführt sind; sie sind meist rechtsgeneigt, weisen Ligaturen und mitgeschriebene Luftlinien auf und können schwer zu lesen sein.

Literarische Schrift/Dokumentarschrift: eine Unterscheidung nach der Funktion: Schrift für Bücher und Schrift für Urkunden und Akten. Urkundenschriften können besondere, bei Codices nicht übliche Verzierungen aufweisen.


Duktus nennt man die Reihenfolge, in der die Buchstaben aus ihren einzelnen Bestandteilen (Striche und Bögen) zusammengesetzt werden. Sie weicht oft vom heutigen Gebrauch ab und erklärt bestimmte Veränderungen der Buchstabengestalt.

Schreibwinkel nennt man die Richtung des Schreibinstruments im Vergleich zur Zeile. Bei einem kleinen Schreibwinkel steht es eher senkrecht, bei einem großen eher waagerecht zur Zeile. (Einen großen Schreibwinkel kann auch durch Drehung des Blattes erzielen.) Der Schreibwinkel wird besonders deutlich, wenn man mit breiter Feder schreibt: dann sind die Striche je nach Schreibrichtung dicker oder dünner (sog. Bandzug; im Gegensatz zum Gleichzug oder Schnurzug mit gleichmäßiger Strichdicke unabhängig von der Strichrichtung, wie ihn etwa ein Kugelschreiber hervorruft).


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