Lesen und Schreiben lernte man in den mittelalterlichen Klosterschulen in spätantiker Tradition auf folgende, für uns heute recht befremdlich anmutende Weise:
Die Praxis, dem Unterricht unverstandene Texte zugrundezulegen, mag manchen sonst unbegreiflichen Abschreibfehler in den Codices erklären. Ob beim Schreibenlernen die Buchstaben in alphabetischer Reihenfolge eingeführt wurden oder so, daß sich bald sinnvolle Wörter bilden ließen, ist unklar. Für letzteres spricht, daß Übungsverse überliefert sind, die mit einer begrenzten Buchstabenzahl auskommen, etwa Omnis homo primum bonum uinum ponit. Die Zahl der benötigten Buchstaben schreitet progressiv fort, bis schließlich Verse erreicht sind, die das gesamte Alphabet enthalten: Ferunt Ophir conuexa kymba per liquida gazas. |