Antike Schrift

Die archaische römische Schrift wird im Laufe der Antike in zweierlei Richtungen weiterenwickelt:
  • in eine stilisierte Schönschrift für Steininschriften und für Bücher (auf Papyrus): Capitalis; und
  • in eine flüchtige, schwer lesbare Gebrauchsschrift für den täglichen Bedarf (auf Wachstafeln): römische Kursive.

Als Kombination beider Richtungen entwickeln sich Unziale und Halbunziale.


Die Capitalis auf Stein nennt man Capitalis momumentalis, diejenige auf Papyrus Capitalis rustica. Beispiele:

capitalis monumentalis
capitalis rustica

Der Unterschied zwischen den beiden Schriften liegt im Schreibwinkel: bei der Capitalis monumentalis sind die senkrechten Linien am stärksten, bei den Capitalis rustica die waagerechten. Außerdem ist die Capitalis rustica in der Regel schlanker, während sich die Buchstaben der Capitalis monumentalis der Quadratform nähern

    Es kommt auch vor, daß für Bücher die epigraphische Form nachgeahmt wird; man spricht dann von Capitalis elegans oder Capitalis quadrata. Es gibt jedoch nur ganz wenige Handschriften in dieser Variante, die früher stark überbewertet wurde.
    Wenn umgekehrt gelegntlich die Capitalis rustica für Inschriften verwendet wird, nennt man sie Capitalis actuaria.

Die römische Kursive tritt in zwei Varianten auf, einer älteren und einer jüngeren:

ältere römische Kursive
jüngere römische Kursive

Die römischen Kursiven sind für die Schriftgeschichte nur insofern von Bedeutung, als sich zwischen ihnen und der Capitalis Mischformen bildeten, von denen die weitere Schriftentwicklung ihren Ausgang nahm, die Unziale und die Halbunziale:

Unziale
Halbunziale

Charakteristisch für die Unziale sind die runden Buchstabenformen bei A, D, E, H, M, P und U. Die Halbunziale ist bereits eine deutliche Minuskelschrift, deren Buchstaben unserer heutigen Schrift schon recht ähnlich sind.

 


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