Die Chiffre der Maria Stuart

Inhalt

I. Kurzbiographie

Am 7. oder 8. Dezember 1542 wird Maria Stuart als einzige Tochter Jakobs V., Königs von Schottland, und seiner zweiten Frau, Marie de Guise, in Linlithgow geboren. Da ihre beiden Brüder -  Jakob, geboren im Mai 1540, und Arthur, geboren im Jahr 1541 - schon in der Wiege gestorben waren, wird Maria bereits im Alter von 6 oder 7 Tagen Königin, als ihr Vater am 13. Dezember, also nur 5 oder 6 Tage nach ihrer Geburt, stirbt.

Im Alter von 7 Monaten wird sie bereits mit dem 6- jährigen Eduard VI., dem einzigen Sohn Heinrichs VIII. von England, verlobt. Heinrich VIII. hofft, durch diese Verbindung beide Nationen unter einem Tudor- Regenten vereinen zu können.

Am  9. September 1543 wird Maria Stuart in Stirling zur schottischen Königin gesalbt und gekrönt. Die Verlobung mit Eduard VI. wird wieder verworfen, zugunsten einer Verlobung Marias mit Franz II., dem Dauphin von Frankreich. Dies soll die Verbindung zwischen Schottland und Frankreich festigen und Schottland die Unterstützung Frankreichs im Kampf gegen England sichern.

Daraufhin wechselt Heinrich VIII. von Diplomatie zu Einschüchterung. In den Jahren 1544/45 fallen die Engländer mehrmals in Schottland ein. Die Attacken finden ihren Höhepunkt in der Schlacht von Pinkie Cleugh am 8. September 1547.

Daher wird Maria von ihrer Mutter zu ihrer eigenen Sicherheit am 7. August 1548 zu ihren Verwandten nach Frankreich geschickt, so dass Maria am französischen Königshofe aufwächst und langsam ihren zukünftigen Mann kennen lernt. Währenddessen verwaltet Marias Mutter mit Hilfe französischer Truppen Schottland.

Am 24. April 1558 heiraten Franz und Maria, und am 10. Juli 1559 stirbt Heinrich II., König von Frankreich, woraufhin Maria Königin von Frankreich wird. Diesen Titel behält sie jedoch nur 1 Jahr, da ihr Gatte Franz schon ein Jahr später, am 5. Dezember 1560, an einer Ohrenentzündung stirbt. Kurz zuvor, am 10. Juni 1560, war auch schon ihre Mutter gestorben.
Daraufhin kehrt Maria im August 1561 wieder nach Schottland zurück, um die Regentschaft anzutreten, und findet eine völlig veränderte Nation vor. Ihre Mutter hatte nicht verhindern können, dass  sich der Protestantismus in Schottland ausbreitete und durchsetzte.

Als Königin scheint es nun ihre erste Pflicht zu sein, sobald wie möglich wieder zu heiraten und einen Erben in die Welt zu setzen. Am 29. Juli heiratet Maria ihren Cousin Henry Darnley, der sich jedoch als brutal und skrupellos und hinterhältig entpuppt. Außerdem ist er auch sehr eifersüchtig und bringt am 9. März 1566 Marias Sekretär und Vertrauten, David Riccio, vor ihren Augen um, wodurch er sich Marias Hass zuzieht.

Am 19. Juni 1566 bringt Maria einen Sohn zur Welt, den späteren Jakob VI. von Schottland und Jakob I. von England.

Maria lernt in dieser Zeit auch James Hepburn, den 4. Earl von Bothwell, kennen.
Am 9. Februar 1567 kommt Henry Darnley bei einer Pulverexplosion in seinem Haus in Kirk O’ Field ums Leben. Es ist umstritten, ob Maria ihre Finger im Spiel hatte. Es gibt keine eindeutigen Beweise, aber vieles spricht dafür.

Am 15. Mai 1567 heiratet Maria Bothwell, der zuvor zwar des Mordes an Darnley angeklagt, aber in einer lächerlichen Farce einer Gerichtsverhandlung für unschuldig befunden worden war.

Diese Heirat mit Bothwell sorgt für Aufruhr im Land. Das Volk ist entsetzt über die Königin und verlangt Gerechtigkeit im Namen des Ermordeten. Maria und Bothwell müssen fliehen, da die schottischen Lords sich gegen sie erheben. Differenzen zwischen der katholisch geprägten Stuart und dem inzwischen dem Protestantismus zugewandten Adel hatte  Maria Stuart erfolgreich ausgleichen können, doch ihre erfolglosen Ehen, eben mit Henry Darnley und Bothwell, lassen das Vertrauen der Adeligen in die Königin schwinden.
Sie schicken Bothwell ins Exil, setzen Maria im Schloss Lochleven gefangen und zwingen sie am 27. Juli 1567, zugunsten ihres Sohnes abzudanken, während ihr Halbbruder, der Earl of Moray, als Regent fungiert. 

Am 5. Mai 1568 gelingt Maria die Flucht aus Lochleven. Sie versucht, in einem letzten Kampf mit einem Heer aus Royalisten ihre Krone zurückzugewinnen, muss sich aber geschlagen geben und flieht nach England, in der Hoffnung, dass ihre Kusine Königin Elisabeth I. ihr Obhut gewährt.

Doch Elisabeth setzt sie wieder gefangen. Der offizielle Grund dafür ist die Verstrickung Marias in den Mord an Darnley, doch in Wahrheit stellt Maria eine Gefahr für Elisabeth dar: zum einen, da englische Katholiken sie als die wahre Königin von England betrachten, zum anderen hat Maria durch ihre Großmutter, Margaret Tudor, die ältere Schwester von Heinrich VIII., auch einen Anspruch auf den Thron.
 
19 Jahre lang wird Maria Stuart nun gefangen gehalten und immer mehr ihrer Freiheiten beraubt. Ihr Sohn, Jakob VI. von Schottland, will ihr nicht helfen. Er hat seine Mutter nie kennen gelernt und wurde von ihren Feinden in dem Glauben großgezogen, dass seine Mutter seinen Vater ermorden ließ, um ihren Liebhaber zu heiraten.

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II. Das Babington- Komplott

Doch im Jahre 1586 - Maria wird zwischenzeitlich auf Chartley Hall gefangen gehalten - erhält Maria einen Packen Briefe, der ihr durch den katholischen Priester Gilbert Gifford zu gespielt wird. Die Briefe stammen von ihren Anhängern. Gifford war eine Zeit lang in Frankreich gewesen und hatte dort Kontakt zu den Agenten Maria Stuarts geknüpft.

Gifford tritt als Kurier auf, der die Botschaften zu Maria schmuggelt und auch ihre Antworten wieder mitnimmt. Dabei bringt er die Briefe zu einem ortsansässigen Bauern, der sie in einen Lederumschlag wickelt und diese dann in einem ausgehöhlten Spund verbirgt, mit dem man damals ein Bierfass versiegelte. Dann liefert der Bauer das Bier nach Chartley Hall, wo einer von Marias Dienern den Spund in Augenschein nimmt und den Inhalt der Königin überreicht.

Die Fäden der Verschwörung laufen bei Anthony Babington zusammen. Dieser hasst die damalige Regierung, da sie ihn und seine Familie aufgrund ihres katholischen Galubens verfolgt . Die katholikenfeindliche Politik des Staates hat neue Dimensionen des Schreckens erreicht. Man beschuldigt die Priester des Verrats, und jeder, der ihnen Obdach bietet, wird als Verräter auf die Folterbank gestreckt, verstümmelt und bei lebendigem Leib ausgenommen. Die Messe wird offiziell verboten, und Familien, die dem Papst treu bleiben, zwingt man unter eine unerträgliche Steuerlast. Babingtons Hass wird noch angestachelt durch den Tod seines Urgroßvaters, der wegen seiner Beteiligung am "Pilgerzug der Gnade", einem katholischen Aufstand gegen Heinrich VIII., geköpft wurde.

Die Verschwörung beginnt im März 1586, und in den nächsten Monaten entsteht ein ehrgeiziger Plan, Maria Stuart zu befreien, Königin Elisabeth umzubringen und einen Aufstand anzuzetteln, der durch eine Invasion von außen unterstützt werden soll. Sie wollen die Protestantin Elisabeth beseitigen und an ihrer Stelle die Katholikin Maria auf den Thron setzen.

Die Verschwörer kommen überein, dass das Komplott jedoch nicht ohne Marias Zustimmung ausgeführt werden soll. Diese lässt sie ihnen durch einen Brief zukommen, der wiederum von Gifford überbracht wird.

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III. Die Chiffre der Maria Stuart

1) Definitionen

2) Nomenklator des Babington - Komplotts

Für die Verschlüsselung wurde keine einfache monoalphabetische Substitution, sondern einen Nomenklator gewählt. Er besteht aus 23 Symbolen, die für die Buchstaben des Alphabets ( ohne j, v und w ) stehen, sowie aus 36 Symbolen für Wörter oder Sätze. Zusätzlich gibt es 4 Füller oder „Nullen“, und ein Symbol (σ), das anzeigt, dass das folgende Symbol für einen Doppelbuchstaben steht  („dowbleth“ ).

 

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IV. Die Verschwörung fliegt auf

Gifford steht jedoch nur scheinbar im Dienst der Verschwörer. In Wahrheit ist er ein Agent der anderen Seite. Schon 1585, noch vor seiner Rückkehr nach England, hatte Gifford an Sir Francis Walsingham, den Sicherheitsminister Königin Elisabeths, geschrieben und ihm seine Dienste angeboten.

Walsingham ist Elisabeths skrupellosester Minister, und als Agentenführer ist er für die Sicherheit der Monarchin verantwortlich.
Walsingham rekrutiert Gifford, und dieser bringt die Botschaften, die er bei Maria abgeholt hat, erst einmal zu Walsingham.  Dieser leitet sie an seine Fälscher weiter, die die Briefsiegel brechen, eine Abschrift anfertigen und den Originalbrief dann mit einem perfekt gefälschten Stempel versiegeln, bevor sie ihn an Gifford zurückgeben. Somit merken weder Maria noch ihre Mitverschwörer, was vor sich geht.

Walsingham seinerseits gibt die Briefe an seinen Geheimsekretär und besten Kryptoanalytiker, Thomas Phelippes, weiter, der sie mit Hilfe der Häufigkeitsanalyse entschlüsselt.  Dabei stellt Phelippes fest, wie oft jeder Geheimbuchstabe vorkommt, und probiert dann einen möglichen Klartextbuchstaben aus. Wenn ein bestimmter Versuch nur Unsinn ergibt, fängt er von neuem mit anderen Klartextbuchstaben an. Schrittweise macht er die Füller ausfindig und legt sie beiseite. Am Ende bleibt nur noch die Handvoll Codewörter, deren Bedeutung aus dem Zusammenhang erschlossen werden kann.

Somit entschlüsselt Phelippes Babingtons Botschaft an Maria, in der dieser eindeutig die Ermordeung Elisabeths vorschlägt, und schickt den Text an Walsingham. Dieser könnte nun sofort die Schlinge um Babingtons Hals zuziehen, doch er will mehr als die Hinrichtung einer Handvoll Rebellen. Er hofft,  Maria würde antworten und die Verschwörung absegnen und sich somit selbst zur Mittäterin machen. Er weiß, dass er Königin Elisabeth von der Schuld Marias überzeugen muss, wenn er sie hinrichten lassen will. Zwar verabscheut Elisabeth Maria, doch sie hat gute Gründe, vor einem Todesurteil zurückzuschrecken. Zum einen ist Maria eine schottische Königin, und viele bezweifeln, dass ein englisches Gericht befugt ist, ein ausländisches Staatsoberhaupt zum Tode zu verurteilen. Zum anderen würde die Hinrichtung Marias einen Präzedenzfall schaffen – wenn es dem Staat erlaubt ist, diese Königin zu töten, dann hätten die Aufständischen vielleicht weniger Skrupel, eine andere Monarchin, nämlich Elisabeth selbst, zu töten. Zudem sind Maria und Elisabeth Kusinen, und diese Blutsverwandtschaft lässt Elisabeth erst recht vor der letzten Konsequenz zurückschrecken. Elisabeth wird die Hinrichtung also nur gutheißen, wenn Walsingham zweifelsfrei Marias Schuld beweisen kann.

Maria antwortet und unterschreibt damit ihr eigenes Todesurteil. Phelippes entschlüsselt ihren Brief an Babington, in dem sie darauf besteht, gleich nach dem Attentat auf Elisabeth befreit zu werden. Walsingham hat nun genügend Beweise in der Hand, um Maria und Babington zu verhaften, doch um die Verschwörung komplett auffliegen zu lassen, braucht er die Namen aller Beteiligten. Also lässt er Phelippes ein Postskriptum zu Marias Brief fälschen, das Babington veranlassen soll, die gewünschten Namen preis zu geben.

Text des Postskriptums:
Ich wüsste gern den Namen und den Rang eines jeden der sechs Männer, die den Plan ausführen sollen, denn nur so wird es möglich sein, ihnen weitere Ratschläge in dieser Frage zukommen zu lassen. Ferner bitte ich Sie, mir von Zeit zu Zeit zu berichten, wie es um Ihre Pläne steht, und mir sobald wie möglich mitzuteilen, welche Personen von dem Vorhaben unterrichtet sind.

Am 15. August 1586 werden Babington und seine Mitverschwörer gefangen und nach London gebracht, am 20. und 21. September werden sie hingerichtet.

Maria Stuart wird am 16. August verhaftet und im September nach Fotheringhay Castle gebracht, wo am 15. Oktober der Prozess gegen sie beginnt. Sie bestreitet jede Verbindung zu Babington und ihre Kenntnis des Mordkomplotts. Doch die Beweislast gegen sie ist zu groß. Zehn Tage später wird Maria Stuart  schuldig gesprochen, und Elisabeth unterschreibt das Todesurteil.

Am 8. Februar 1587 wird Maria Stuart hingerichtet.

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V. Material

Hier finden Sie eine Kurzbiographie von Maria Stuart in PDF Format

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