700 Jahre Bulle "Unam sanctam" und Attentat von Anagni

Interdisziplinäre Ringvorlesung

Papst Bonifaz VIII.

GW II 131, 19 h c.t.
20.5. Prof. Thomas Frenz:
Bonifaz VIII. – Märtyrer ohne Heiligkeit (Einführung)

Der Vortrag führt in die Thematik der Ringvorlesung ein. Er stellt die Person Bonifaz' VIII. vor und skizziert die wesentlichen Ereignisse seines Pontifikates (Konflikt mit den Colonna, Heiliges Jahr 1300, Konflikt mit Frankreich bis hin zum Attentat von Anagni). Da das Schicksal Bonifaz' VIII. nicht zu verstehen ist ohne die Kenntnis der Gestalt seines Vorgängers, Cölestins V. (des einzigen Papstes, der bisher völlig freiwillig vom seinem Amt zurückgetreten ist), ist diesem Papst ein Exkurs gewidmet.
27.5. Professor Helmuth Pree:
Bonifaz VIII. als kirchlicher Gesetzgeber
Die rechtssetzende Tätigkeit des juristisch gebildeten und erfahrenen Papstes Bonifaz VIII. verdient in mehrfacher Hinsicht Beachtung: Einerseits beeindruckt das breite inhaltliche Spektrum der unter diesem Pontifikat in Angriff genommenen Regelungsmaterien, andererseits gewinnt die Gesetzgeberfunktion selbst – im Verhältnis zur Tradition und zum überlieferten kanonischen Recht wie auch als Element der päpstlichen plenitudo potestatis – bei diesem Papst ein besonderes Profil. Für beide Gesichtspunkte erweist sich ein vergleichender Blick auf die Rechtsentwicklung der Gegenwart als aufschlussreich über die Wirkungsgeschichte rechtlicher Maßnahmen Bonifaz VIII.
3.6. Václav Filip, Universität Chieti:
Die päpstliche Heraldik seit Bonifaz VIII.
Die päpstliche Symbolik wurde von Bonifaz VIII. bewußt als Propagandainstrument für seine Politik eingesetzt. In diesem Zusammenhang spielt die päpstliche Heraldik, die von diesem Papst ihren Ausgang nahm, eine wichtige, auf Zeitgenossen und Nachwelt gleichermaßen nachdrücklich wirkende Rolle. Die wohl berühmteste Abbildung des Wappens Bonifaz' VIII. ist das Fresko im Lateran, welches die (fiktive) Eröffnung des Heiligen Jahres 1300 durch den Papst darstellt.
18.6. Prof. Egon Boshof:
Bonifaz VIII. und Frankreich
(Achtung: ausnahmsweise Mittwoch, Raum: GW II 132)
Das Verhältnis zu dem französischen König Philipp IV., dem Schönen, ist zur Schicksalsfrage des Pontifikates Bonifaz' VIII. geworden. Nachdem der Papst zunächst eine dezidiert frankreichfreundliche Politik betrieben und dem Kapetinger zu außenpolitischen Erfolgen verholfen hatte, kam es über der Frage der Besteuerung des französischen Klerus zu einem ersten grundsätzlichen Konflikt, in dem Bonifaz schließlich zum Nachgeben gezwungen war. Das Jubeljahr 1300 erhöhte sein Prestige ungemein, und so ging er scheinbar gestärkt in den zweiten grundsätzlichen Streit, der um das privilegium fori, die Exemtion der Geistlichen von der weltlichen Gerichtsbarkeit, ausgetragen wurde. Auch in dieser Auseinandersetzung, die in dem auf Bonifaz zu Anagni verübten Attentat gipfelte, unterlag der Papst.

Der Vortrag zeichnet die einzelnen Phasen der Auseinandersetzung nach und geht dabei auf das grundsätzliche Verhältnis von weltlicher und geistlicher Gewalt ein. Aufgezeigt wird, daß sich die universalen Ansprüche des Papsttums im Zusammenstoß mit den Machtinteressen des modernen Staates und dem nationalen Selbstbewußtsein der französischen Monarchie als anachronistisch erwiesen und daher scheiterten.
24.6. Prof. Matthias Heesch:
Der politische Anspruch des Papttums im Urteil protestantischer Historiker des 19. Jahrhunderts
2.7. Professor Gosbert Schüßler:
Bilder des Papstes Bonifaz VIII.
(Achtung: ausnahmsweise Mittwoch, Raum: GW II 132)
Sowohl die Darstellungen Bonifaz' VIII., die dieser selbst in Auftrag gegeben hat, als auch die Wiedergaben seiner Person durch andere sollen vorgestellt und einer ikonologischen Analyse unterzogen werden. Dazu werden die einzelnen Monumente, für die u. a. in ihrer Zeit hochberühmte Künstler engagiert worden waren, vor dem Hintergrund allgemeiner päpstlicher Kunsttätigkeit im letzten Drittel des 13. Jahrhunderts gewürdigt. Besondere Bedeutung kommt den Bildern Bonifaz' VIII. insofern zu, als sie z. T. beträchtliches Aufsehen erregt haben und zu massiver Kritik Anlaß gegeben haben.Durch die besondere Ausgestaltung der Tiara, des päpstlichen Insignes par excellence, hat Bonifaz VIII. die Papstikonographie bis auf den heutigen Tag nachhaltig beeinflußt.
 
8.7. Prof. Manfred Hinz:
Bonifaz VIII. und Dante
Die Figur Bonifaz' VIII. tritt aus rein chronologischen Gründen nichtdirekt in Dantes Commedia auf, deren Jenseitsreise sich auf Ostern 1300datiert. Aber gerade diese Abwesenheit macht ihn zugleich in geiwsserWeise allgegenwärtig. In Inferno XIX wird er der Simonie bezichtigt und imfolgenden durch einen anderen Papst, einen Mönch, den Vorfahren desDichters (Cacciaguida) und schließlich durch Petrus selbst vorverurteilt.Dennoch ist Bonifaz für Dante ein legitimer, wenngleich unwürdiger Papst(Purg. XX/87, Par. XXVII/22-26). Daraus ergeben sich natürlich erheblicheKonsequenzen für Dantes "politische Theologie", für seine Unterscheidungzwischen Amt und Inhaber und damit auch für seine Position zumjuristischen Konflikt zwischen Kaiser und Papst. Sie sollen am Beispielvon Dantes Auseinandersetzung mit Bonifaz VIII. im Mittelpunkt desVortrags stehen.

Wenn Sie regelmäßig über die Ringvorlesung informiert werden möchten, senden Sie eine E-Mail mit dem Betreff "Ringvorlesung Bonifaz VIII." an frenz01@pers.uni-passau.de.

Spezieller Hinweis für Diplomkulturwirte: wenn Sie im Herbst 2003 bei Prof. Frenz das Vordiplom schreiben wollen, können Sie die Zeit Bonifaz' VIII. als Epoche wählen.