M. D. u. H., ich habe die etwas undankbare Aufgabe des Schlußreferates
dieser Veranstaltung. Sie haben sicher Ihre eigenen Methoden, wie Sie die
Schüler auch in der letzten Stunde noch bei der Stange halten; ich versuche
es einmal damit, daß ich Ihnen etwas vorlese. Und zwar aus Harry Potter, 2. Band, S. 155:
Es läutete. Ron und Hermine gingen zankend in Geschichte der Zauberei. Das war das langweiligste Fach auf ihrem Stundenplan. Professor Binns war der einzige Geist, den sie als Lehrer hatten, und daß er einmal das Klassenzimmer durch die Tafel betreten hatte, war das Aufregendste, was je in seinem Unterricht passiert war. Er war uralt und schrumplig, und viele Lehrer sagten, er habe nicht bemerkt, daß er tot sei. Er war eines Tages einfach aufgestanden, um zum Unterricht zu gehen, und hatte seinen Körper in einem Sessel vor dem Kamin im Lehrerzimmer zurückgelassen; sein Tagesablauf hatte sich seither nicht im mindesten geändert.
Aus
der Beschreibung geht eindeutig hervor, daß Hogwarts
keine bayerische Schule ist und daß Kollege Binns
nicht in Passau studiert hat. Aber etwas Geisterhaftes hat das Thema, mit dem
wir uns jetzt beschäftigen wollen, schon: Inhalte tauchen heute auf und sind
morgen, wenn man sie verifizieren will, schon wieder verschwunden; man weiß
nicht, woher sie kommen und wer dahinter steht; und einige Darstellungen sind
schon erschreckend. Die computermaus
ähnelt zweifellos einem Zauberstab – auch in dem Sinne, daß sie nicht immer das
bewirkt, was man geplant hat.
Lassen Sie mich, ehe ich dann endlich zum Inhalt komme, noch mein Idealpublikum definieren: ich wende mich an Zuhörer, die
·
im Computer kein Lifestyle-Attribut sehen, sondern ein Arbeitsinstrument;
·
im Internet keinen Wassersport treiben wollen, sondern Informationen
suchen;
·
sich bisher nur wenig mit diesem Medium befaßt haben; es aber
·
trotzdem allmählich nicht mehr hören können, daß angeblich
die Schüler sich besser auskennen als die Lehrer – als ob es beim Internet
allein um technische Fragen und Fähigkeiten ginge, wie das unsere Politiker
in ihrer Naivität oft zu glauben scheinen.
Ich gestehe auch ein, daß nur einen
Teil dessen, was ich vortrage, auf meinem eigenen Mist wachsen konnte. Der
andere Teil geht auf ein Seminar zurück, das ich im gerade beendeten
Wintersemester gehalten habe. Teilnehmer an diesem Seminar waren auch einige
Informatikstudenten, deren Referate ich hier ausbeute. Ein Ergebnis dieses Seminars
ist außerdem eine Internetseite speziell für Lehrer; ich werde sie Ihnen am
Schluß des Referates kurz präsentieren. Darüberhinaus
habe ich mich auch selbst plagiiert: im Oktober 2000 gab es ein ähnliches
Referat in der Fortbildung für die Gymnasiallehrer; auch diesem Referat ging
damals ein Seminar voraus. Den Text des damaligen Referates können Sie auf
meiner Homepage finden. Das ist vielleicht von Interesse, weil ich heute die
Schwerpunkte etwas anders setzen will.
M. D. u. H.,
im bayerischen Lehrplan für die Grundschule heißt es für die 3. Jahrgangsstufe
in der Kategorie „Wünsche und Bedürfnisse“:
Medien als Fenster zur Welt. Arbeiten z.B. mit Lexika, mit Computerprogrammen; Informationssuche im Internet, weltweite Suchmaschinen; geeignete Informationen auswählen.“
Genau das ist
jetzt unsere Absicht.
Beginnen wir gleich mit den Internet-Adressen, mit deren Hilfe der Benutzer die Seiten aufruft. Man bezeichnet diese Adressen auch als „URL“ (Unified Ressource Locator). Sie bestehen zunächst einmal aus drei Teilen, z.B. die Adresse unserer Universität:
Der erste Teil (http://www.) enthält
technische Angaben , die uns hier nicht näher interessieren sollen. Es folgt
mit uni-passau der „domain-Name“
, d.h. der Name des Servers, der die gewünschte Seite bereitstellt. Es folgt
als drittes das Länderkennzeichen, in unserem Fall de für Deutschland.
Die Adresse ist also genauso aufgebaut wie die Adresse eines ganz normalen
Briefes, bei der die speziellen Angaben ja auch vor den allgemeinen stehen.
Ein Länderkennzeichen für die USA gibt es nicht, vielmehr werden dort einzelne
Organisationsbereiche angegeben, z.B. gov für Seiten der Regierung, edu
für die Wissenschaft oder com für die Wirtschaft.
Gemäß dem Selbstverständnis der amerikanischen Wirtschaft können aber auch
europäische und asiatische Firmen com-domains erwerben. Diesen letzten
Bestandteil der Adresse nennt man auch „toplevel-domain“.
Es gibt noch weitere solcher toplevel-domains; ein Student wies auf das Kennzeichen alt
(wie „alternativ“) hin: dies sei eingerichtet worden, um Pornoseiten zu veröffentlichen.
Ich habe das nicht nachkontrolliert, auch wenn ich regelmäßig per e-mail
einschlägige Angebote erhalte; aber es dürfte sich empfehlen, diese Seiten
auf dem Schulcomputer zu sperren.
Die domain kann noch
untergliedert sein in mehrere „subdomains“. Deren
Name steht dem domain-Namen voran, z.B. phil.uni-passau
als subdomain der philosophischen
Fakultät.
Im Verkehr der Computer und Server untereinander,
also gewissermaßen im „internen Dienstbetrieb“, werden diese domain-Namen aber
gar nicht verwendet. Die verbalen Adressen werden in einen vielstelligen
Zahlencode umgewandelt. Da die verbalen domain-Namen also gar nicht auftauchen,
kann man sie völlig willkürlich festlegen. Daher kommt der Nonsens, etwa für
einzelne Fernsehsendung eigene domains einzurichten, z.B. www.kunstundkrempel.de und vieles mehr.
Es gibt auch eine domain www.lehrer-fortbildung.de; sie
wird betrieben vom „Deutschen Verein zur Förderung der Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung
e.V.“, die bayerische Option führt zur Seite der „Akademie für Lehrerfortbildung
und Personalführung“ in Dillingen.
Für das
Kennzeichen de gibt es eine Firma, bei der man die Namen anmeldet und registrieren
läßt. Die Anmeldungen werden dabei nur formal geprüft, so daß auch einmal eine domain www.heil-hitler.de durchrutschen konnte.
Dieses Chaos hat wiederum Folgen für das Suchen von Internet-Seiten; ich komme
darauf zurück. Unsere Politiker haben es versäumt, hier rechtzeitig regelnd einzugreifen.
Nach dem domain-Namen folgt
ein Schrägstrich. (Manche Leute sagen vornehm „slash“.
Der typographisch korrekte Name lautet übrigens „Virgel“,
von lateinisch „virgula“; die Virgel
ist in der Frühen Neuzeit charakteristisch für deutsche Texte, in lateinischen
Texten steht statt dessen das Komma. Aber das nur am Rande.) Nach dem Schrägstrich
kommen die Namen der Ordner und Dateien, unter denen die Internet-Seiten auf
dem Server abgelegt sind, wobei die Hierarchie-Ebenen wiederum durch Schrägstriche
getrennt sind. Z.B.:
http://www.phil.uni-passau.de/historiker/lehrerfortbildung.htm
Auf dem Server der Universität Passau
(subdomain der Philosophischen
Fakultät) liegt also ein Ordner „historiker“, und
in diesem Ordner gibt es eine Seite „lehrerfortbildung“. Das Ganze endet mit einem Index für den
Dateityp. Er lautet für Textdateien in der Regel htm oder html,
wobei man genau darauf achten muß, welche der beiden Formen verwendet wurde.
Wenn Sie nun im Internet arbeiten
wollen, benötigen Sie neben der physikalischen Verbindung dorthin ein Programm,
den sog. Browser. Seine Aufgabe ist es, die eingehenden Dateien zu
interpretieren und auf dem Bildschirm darzustellen. Die dargestellte Datei muß
dabei nicht aus dem Internet geholt werden; sie kann genausogut von einer Diskette,
einer CD oder von der eigenen Festplatte stammen. Das ist wichtig, weil der
Browser gerne den Weg des geringsten Widerstandes geht. Von jeder Seite aus dem
Internet legt das Programm nämlich sofort eine Kopie in einem speziellen
Speicher auf der Festplatte an, dem „cache“. Aus
diesem cache,
und nicht aus dem Internet, holt der Browser die Seite, wenn man sie ein
zweites Mal aufruft. Wie lange die Seiten im cache gespeichert bleiben – bis
zum Ende der Sitzung oder mehrere Tage oder Wochen – hängt von den
Voreinstellungen des Browsers ab. Außerdem besitzen die Server eine Art Super-cache, in
dem oft besuchte Seiten bereitgestellt werden. Es kann also sein, daß man mit
einer veralteten Version abgespeist wird, es sei denn, man weist den Browser
ausdrücklich an, die Seite zu aktualisieren.
Die
Programmiersprache, mit der die Seiten erstellt werden, die der Browser
versteht und interpretiert, ist der HTML-Code (Hyper-Text-Markup-Language).
Diese wahre Gestalt der Seite bildet den sog. Quelltext. Man kann ihn sich
anschauen; mitunter ist das sogar notwendig, wenn der Anbieter unsauber programmeirt hat und deshalb die Seite nicht korrekt
dargestellt wird. (Man kann in diesem Falle natürlich auch zürnend die Seite
wieder verlassen.)
Wenn
Sie selbst eine Seite gestalten wollen, gibt es zwei Möglichkeiten: entweder
Sie benutzen einen Editor, also ein Programm, das die Codierung für Sie übernimmt,
oder Sie geben direkt den Quelltext ein. Die Verwendung des Editors ist
natürlich der leichtere und schnellere Weg. Allerdings haben praktisch alle
Editoren irgendeine Macke, oder sie erweisen dem Benutzer eine gestalterische
Wohltat, die er gar nicht haben möchte – besonders, wenn es sich um Produkte
einer bestimmten Firma handelt. Deshalb ist es nützlich, wenigstens im Prinzip
zu wissen, wie der HTML-Code arbeitet, so daß man ggf. dem Editor bzw. dem
fehlerhaften Quelltext einer empfangenen Seite unter die Arme greifen kann.
Wie bei jeder Programmiersprache gibt es im HTML-Code eine Inhaltsebene und eine Befehlsebene. Die beiden Ebenen sind dadurch getrennt, daß die Befehle grundsätzlich in spitzte Klammern eingeschlossen sind, während der Text, der auf dem Bildschirm erscheinen soll, außerhalb dieser Klammern steht. Das Programm ist dabei gnadenlos: eine einzige vergessene Klammer führt dazu, daß von dieser Stelle an die gesamte Seite versaut wird. Die Befehle treten außerdem fast immer paarweise auf, wobei der abschließende Befehl mit einem Schrägstrich beginnt. (Es kommen gleich noch Beispiele.)
Mit Hilfe dieser
Befehlspaare lassen sich nun das Layout der Seite festlegen, Farben definieren
und schriftgröße und Stil steuern.
Ich möchte dazu heute nur ein einziges Beispiel geben: der Quelltext
Professor <i>Binns</i>
war der einzige <font
color=“red“>Geist</font>, den sie …
führt zu folgender Darstellung auf dem
Bildschirm:
Professor Binns war der einzige Geist,
den sie
Durch i = „italic“ ist also die Kursivierung
befohlen, und durch „font color“
die rote Farbe der Schrift herbeigeführt. Bauen wir schnell einen Fehler ein:
Professor <i>Binns
/i> war der einzige <font color=“red“>Geist</font>,
den sie
Das Ergebnis wäre dann folgendes:
Professor Binns /i> war der
einzige Geist, den sie
Da beim
zweiten Befehl die einleitende spitze Klammer fehlt, erkennt der Browser das Kursiv-Ende nicht, faßt die drei Buchstaben /i> als Text
auf und kursiviert gnadenlos bis zum Ende der Seite
weiter.
Nicht alle Befehle
beziehen sich aber auf solche Darstellungen, sondern es gibt zum einen eine
festgelegte Struktur der Seite, und zum andern vermitteln ähnliche Befehle
als Querverweise den Kontakt zu anderen Seiten und Dateien. Jede HTML-Datei
beginnt und endet mit dem Befehl
<html>
</html>
Nur was
zwischen diesem Befehlspaar steht, erkennt der Browser als Internet-Datei;
alles andere ignoriert er. Die Datei besteht ferner aus zwei Teilen, Kopf und
Körper, oder englisch: head
und body.
Die Grundstruktur lautet also:
<html>
<head> </head>
<body> </body>
</html>
Alles, was am
Bildschirm angezeigt wird, steht im body. Außerdem kann man dort noch der gesamten Seite einen
Hintergrund zuweisen, entweder als einheitliche Farbe oder durch ein Bild. Z.
B. wird bei Homepages, die sich mittelalterlich geben wollen, der Hintergrund
gerne als simuliertes Pergament gestaltet. Der Inhalt solcher Seiten ist meist
weniger beeindruckend.
Im head steht auf jeden
Fall der
<title>Titelformulierung</title>
Der Text des titles erscheint
in der Titelleiste des Fensters; deshalb steht er außerhalb der spitzen
Klammern. Der title ist übrigens
nicht identisch mit dem Namen der Datei. Im head kann aber noch sehr viel
mehr stehen, z.B. Anweisungen für die Suchmaschinen, Stilvorlagen, Kommentare
der Programmierer usw.; all das ist aber für den normalen Besucher bedeutungslos.
Kommen wir zu einem weiteren Punkt: wir haben das Internet bisher als statisches Medium behandelt, in dem auf einer Seite bestimmte Informationen in vorgegebener Form bereitgestellt werden. Viele Seiten beschränken sich auch darauf. Der eigentliche Witz des Internet besteht aber darin, den Besucher auf neue Seiten weiterzuleiten, ohne daß er jeweils eigenhändig eine neue Adresse eingeben muß. Dies geschieht durch die Querverweise, englisch „links“. Diese „Gelenke“ entsprechen durchaus den Querverweisen etwa in einem Lexikon, nur daß sich der gewünschte neue Artikel automatisch aufschlägt, obwohl er sich u. U. in einem anderen Band einer anderen Bibliothek auf einem anderen Kontinent befindet.
Auch die links werden durch ein Befehlspaar bezeichnet:
<a href="Dateiname">
Text </a>
„href“ ist die Abkürzung für „hyper
reference“. Der Text zwischen den beiden Befehlen
wird auf dem Bildschirm unterstrichen und in der Regel blau eingefärbt. Durch Anklicken
dieses Textes wird die Aktion in Gang gesetzt, wobei die neue Seite entweder
die bestehende ersetzt oder auch in einem neuen Fenster geöffnet wird.
In ähnlicher
Weise werden auch die Bilder auf eine Seite eingefügt. Auch sie werden aus
einer gesonderten Datei entnommen, die auch gesondert übertragen wird, was
manchmal etwas länger dauern kann, wenn sie sehr groß ist. Der Quelltext für
die Einfügung eines Bildes lautet:
<img src="Dateiname">
Also „image source“. Bilddateien tragen in der Regel die Indices „.jpg“ oder „.gif“. Wenn man aus
einer Seite nur ein Bild herunterladen will, kann man im Quelltext dieser Seite
den Dateinamen des Bildes heraussuchen, in der Adressenleiste den Namen der Textdatei
durch den Namen der Bilddatei ersetzen, und erhält dann das bloße Bild angezeigt,
das man speichern kann. Wenn vor dem Namen der Bilddatei „../“ steht, liegt die
Datei in der Hierarchie einen Ordner höher, d.h. man muß in der Adressenleiste
nicht nur den Namen der Textdatei, sondern auch den davor angezeigten
Ordnernamen löschen. Da der Quelltext sehr unübersichtlich sein kann und
mitunter auch ohne Zeilenumbruch dargestellt wird, empfiehlt es sich, im
Quelltext nach einer Textpassage in unmittelbarer Nachbarschaft des Bildes
suchen zu lassen.
Übrigens kann
man auch auf ein Bild einen Link legen; das sieht dann so aus:
<a href="Dateiname"><img
src="Dateiname"></a>
Daß auf dem
Bild ein link liegt, erkennt der
Besucher dadurch, daß sich die Form des Mauszeigers vom Pfeil zur Hand ändert.
Nun noch eine Bemerkung zu den sog. „frames“ oder Rahmen. Durch sie kann man den Bildschirm in
einzelne rechteckige Abschnitte aufteilen, die unabhängig voneinander gefüllt
werden. Das ist also gerade so, als hätte man mehrere Bildschirme gleichzeitig
in Betrieb. Man braucht dabei zunächst eine Datei, die diese Aufteilung vornimmt,
und dann für jedes frame eine weitere Datei. Der Quelltext einer framedirigierenden Datei sieht z.B. so aus:
<frameset
cols="150,*">
<frame
src="Dateiname1">
<frame
src="Dateiname2">
</frameset>
Hier ist also
der Bildschirm in zwei frames
aufgeteilt, die als „columnen“, also Spalten,
nebeneinander angeordnet sind. Außerdem ist noch festgelegt, daß die linke
Spalte 150 Pixel breit ist und die rechte den Rest des Bildschirms einnimmt. Im
linken Fenster wird die Datei1 dargestellt, im rechten die Datei2.
Nicht selten
ist es dabei so, daß im linken frame der „Wegweiser“ für den rechten Frame liegt, daß dort
also die Links angeboten werden, durch die die Dateien im rechten frame
ausgewechselt werden. In der Adressenleiste des Browsers erscheint aber stets
die Adresse der framedirigierenden Datei, egal mit
welchen Dateien die frames
gefüllt sind. Speichern und Herunterladen solcher Dateien ist deshalb
schwierig, und man muß zunächst im Quelltext der framedirigierenden
Datei den Namen des „Wegweisers“ suchen und dann in dessen Quelltext die Namen
der rechts dargestellten Dateien.
Es ist auch
möglich, durch bestimmte Befehle die Zwischenlinien zwischen den frames zu
unterdrücken, so daß der besucher
gar nicht wahrnimmt, daß der Bildschirm in frames aufgeteilt ist. Es ist
ferner möglich, das Scrollen der frames zu verbieten; dann kann es
vorkommen, daß Teile der Darstellung für den Besucher unerreichbar außerhalb
des Bildschirms liegen. Mit solchen Programmierfehlern muß man bei frames leider
rechnen.
►►►Nach so viel Theorie wollen wir jetzt zur Praxis übergehen, und irgendwann müssen ja auch die im Titel des Referates versprochenen bayerischen Beispiele kommen. Bevor man eine Seite aufrufen kann, muß man freilich ihre Adresse kennen.
Der einfachste
Weg ist der, den gesuchten Begriff als domain-Namen zu verwenden. Für das Referat von Herrn Heitzer bietet sich an: www.oral-history.de. Bei der letzten Tagung
gab es diese Domain tatsächlich; es handelte sich allerdings um eine zugangsbeschränkte
Datenbank. Mittlerweile steht sie zum Verkauf. Die Direkteingabe ist aber gerade
für Ihre Schüler nicht ungefährlich, weil die einfachen Namen häufig von
Institutionen oder Gruppen belegt worden sind, für deren Seriosität man sich
nicht unbedingt verbürgen kann. Wie so oft waren auch hier „die Kinder der
Finsternis klüger als die Kinder des Lichtes“, und unsere Politiker haben dem
tatenlos zugesehen. Aber es ist ja auch pressewirksamer, sich bei der Übergabe
eines Computerraumes einer Schule fotografieren zu lassen, als sich um solche Détails zu kümmern.
Rechtzeitig reserviert
wurde die domain
www.bayern.
de, die von der Staatsregierung betrieben wird und übrigens recht vernünftig
gestaltet ist. Die Adresse www.bavaria.de
führt zu genau derselben Seite. Beim Start öffnet sich sofort ein neues Fenster,
in dem unter dem Porträt des Landesvaters für den „Bürokratieabbau“ geworben
wird – allerdings nur in der Privatwirtschaft, nicht bei öffentlichen Einrichtungen.
Die Seite der CSU weist genau das gleiche Design auf wie die Bayern-Seite;
ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Die Direkteingabe führt bei der Suche nach
deutschen Städten und Gemeinden übrigens recht zuverlässig zum Ziel, nur leider
findet man auf den Homepages der Kommunen nur selten ausgewogene Angaben zur
Geschichte dieser Städte.
Für eine weniger zufällige, sondern gezielte Recherche ist man auf die Suchmaschinen angewiesen, die sich neuerdings gerne pompös „Portale“ nennen. Leider geht es bei den Suchmaschinen nicht immer ganz seriös zu. Zum Beleg zeige ich Ihnen den Text einer e-mail, die ich vor etwa anderthalb Jahren bekommen habe:
Auffallen ist
alles – Machen Sie Ihre Internet-Seite bekannt!
Sie sind derzeit mit Ihrer Internet-Seite ... in unserem Verzeichnis
eingetragen. Niemand findet Sie? Sie wollen noch auffälliger bei uns platziert
werden? Dafür bieten wir Ihnen jetzt zwei neue Produkte: die
Express-Bearbeitung und den Schmuck-Eintrag. Mit dem farbigen Schmuck-Eintrag
machen Sie Ihren Eintrag auffälliger – und auffallen ist im Internet einfach das
Wichtigste! Ein Schmuck-Eintrag wird im Verzeichnis noch vor den regulären
Einträgen aufgelistet. Außerdem heben Sie sich auch bei den Suchergebnissen
durch die grafische Hervorhebung von den anderen Einträgen ab! Beste
Voraussetzungen also, um schnell gefunden zu werden! Machen Sie Ihre
Internet-Seite gleich heute noch zu einem Highlight!
Es gibt drei Typen von Suchmaschinen:
·
solche, die nach bestimmten Wörtern suchen,
·
solche, die die Welt in hierarchisch geordnete Kategorien aufteilen,
·
Metasuchmaschinen.
Für die
Metasuchmaschinen, um mit diesen zu beginnen, ist typisch, daß sie nicht selbst
suchen, sondern andere Suchmaschinen mit der Suche beauftragen, deren Ergebnisse
zusammenfassen und in einer Liste darstellen. Das ist ein praktisches Verfahren,
so daß die Verwendung einer Metasuchmaschine für wissenschaftliche Anfrage in
der Regel die erste Wahl sein dürfte. Wir werden das gleich ausprobieren.
Zuvor ist aber
noch eine kurze technische Bemerkung erforderlich. Es ist nämlich nicht so,
daß die Suchmaschine, wenn sie einen Auftrag erhält, beginnt, das Internet
zu durcheilen, um dort etwas zu unserem Thema zu aufzutreiben. Das wäre, selbst
bei Lichtgeschwindigkeit, schon aus zeitlichen Gründen unmöglich. Vielmehr
sind die Suchmaschinen, ohne daß der Benutzer etwas davon merkt, ständig
damit beschäftigt, das Internet zu durchsuchen. Dies geschieht durch automatisch
ablaufende Programme, die sinnvollerweise Roboter
heißen. Diese durchsuchen die Seiten, notieren die Begriffe und Wörter, hangeln
sich über die Links von einer Seite zur andern und kommen irgendwann wieder
beim Ausgangspunkt an. Die Ergebnisse der Suche tragen sie in eine Datenbank
ein.
Aus dieser Datenbank
erhalten die Kunden ihre Auskünfte. Man muß sich also darüber im klaren sein,
daß man nicht direkt aus dem Internet bedient wird, sondern aus einer vorgefertigten,
vorzensierten Auswahl; und das gilt auch, wie wir schon hörten, für die Reihung
der Treffer in der Ergebnisliste. Wie die Roboter bei ihrer Suche genau vorgehen,
wird natürlich geheimgehalten – zum einen aus Konkurrenzgründen, aber auch,
um Manipulationen durch die Seiteninhaber vorzubeugen. Manche Suchmaschinen
erforschen den gesamten Text einer Seite, andere nur die ersten 200 Wörter,
andere stützen sich auf die Angaben im head
der Datei, wieder andere verwenden die Namen der Dateien und Ordner. Manche
Suchmaschinen gehen von sich aus auf die Jagd nach interessanten Einträgen;
andere warten darauf, daß der Seiteninhaber sie ausdrücklich auf eine Seite
aufmerksam macht, indem er sie bei der Suchmaschine anmeldet, entweder kostenlos
oder gegen Gebühr.
Eine wichtige
Rolle scheint die Zahl der Links, der Querverweise, zu bilden, die auf eine
Seite hinführen. Hier bietet sich eine einfache Manipulationsmöglichkeit: wenn
Sie z.B. eine Seite mit der sog. Auschwitzlüge ins Internet stellen und dann
Ihre sämtlichen rechtsradikalen Freunde einen Link dorthin setzen lassen,
rutscht diese Seite automatisch in der Trefferliste an einen vorderen Platz.
Seriöse Anbieter treffen gegen solche Manipulationen Vorsorge, aber angesichts
der immer größeren Zahl von Angeboten dürfte dies technisch immer schwieriger
werden.
Die Suchmaschine, die ich für die Vorbereitung
dieses Referates hauptsächlich verwendet habe, ist Metager:
http://meta.rrzn.uni-hannover.de/
Sie hat den Vorteil, daß sie von einer
nichtkommerziellen Stelle, der Universität Hannover, betrieben wird, so daß man
von Werbung weitgehend verschont bleibt. Das erste, was beim Start einer
Suchmaschine zu sehen bekommt, ist nämlich gewöhnlich Werbung, bis man dann in
einem kleinen Eckchen des Bildschirms die eigentliche Suchfunktion entdeckt.
Die derzeit beliebteste
Suchmaschine, mit sich auch gute Ergebnisse erzielen lassen dürfte google sein:
Die Suche nach bestimmten Wörtern kann
man geschickt oder ungeschickt angehen: wählt man den Suchbegriff zu allgemein,
erhält man Unmengen von Treffern; wählt man ihn zu eng, unter Umständen gar
keine. Eine Suche mit Google nach „Bayern“ erbrachte
auf Anhieb 3.080.000 Treffer, mit deren Überprüfung man dann wohl einige Wochen
beschäftigt wäre.
·
eines der angegebenen Wörter soll
vorkommen;
·
alle Wörter sollen vorkommen;
·
einige Wörter sollen vorkommen,
andere aber nicht;
·
die Wörter sollen genau in dieser
Reihenfolge vorkommen.
Man kann sich
aber nicht darauf verlassen, daß das auch wirklich funktioniert. Ich habe
einmal nach Otto III. mit der Option „Wörter genau in dieser Reihenfolge“
gesucht, bin aber immer wieder beim Otto-Versand gelandet. Diese Optionen bei
der Suche nach mehreren Wörtern gibt es bei allen Suchmaschinen, nur ist die
erforderliche Eingabeform leider immer etwas unterschiedlich.
Wir testen das Verfahren für das
Referat von Herrn Becker. Der Name „Franz Sperr“ bietet eine gute Chance. Metager erbrachte vor zwei Wochen – heute kann das schon wieder
anders sein – 55 Treffer. Mehr als zwei Drittel davon sind allerdings
Scheintreffer: sie führen auf Seiten, die zwar die beiden Wörter „Franz“ und
„Sperr“ enthalten, aber nicht in der direkten Abfolge als Vor- und Nachname.
„Sperr“ ist kein ganz seltener Nachname (es gibt zum Beispiel einen Fußballer,
der so heißt), und der österreichische Ort St. Peter a. d. Sperr wird ebenfalls
erfaßt. Zwei der Fehltreffer – und das fand ich nun doch eine schwache Leistung
der Suchmaschine – boten sogar die Begriffe „Sperr-Minorität“ bzw.
„Sperr-Mauer“ an, wobei dann irgendwo anders auf der Seite eben auch noch
„Franz“ vorkommt.
Aber auch die
identische Namensform „Franz Sperr“ kann in die Irre führen, denn der
derzeitige Leiter der Zweigstelle der Raiffeisenbank in Zell am Moos heißt
„Franz Sperr“; und da er außerdem noch Vorsitzender des Sportvereins Reichertsheim ist, erscheint er in beiden Funktionen auf je
einer Internetseite.
Und selbst
wenn wirklich der von uns gesuchte Widerstandskämpfer gemeint ist, kann der
Treffer doch ins Leere zielen: da es sich um eine einigermaßen prominente Person
handelt, sind Straßen nach ihm benannt. Dadurch erfaßt die Suchmaschine jede
Seite einer Firma oder eines Ärztehauses, das in einer solchen Straße seinen
Sitz hat und auf seiner Internetseite die Adresse nennt.
Es bleiben
schließlich etwa ein Dutzend richtige Treffer. Inhaltliche Informationen zu
Franz Sperr bieten:
·
eine Seite des Kulturreferates der Stadt München (www.widerstand.musin.de),
·
eine Seite, auf der die Bayerische Akademie der Wissenschaften
Publikationen präsentiert (www.badw.de/presse/Landesgeschi.htm),
vom Dezember 2001,
·
und eine Publikation der Bayerischen Staatskanzlei unter dem
Titel „Stationen des Bayerischen Föderalismus“ mit einem Abschnitt über Franz
Sperr (www.bavaria.de/
Berlin/Foederalis.pdf).
Ein weiterer Treffer entsteht
dadurch, daß in der Bayerischen Vertretung in Berlin ein Besprechungsraum den
Namen Sperrs erhalten hat, den man sich dann via
Internet anschauen kann (www.bayern.de).
Die Suchmaschine führt uns ferner zur Seite der Gedenkstätte in Plötzensee (www.gedenkstaette-ploetzensee.de),
auf der er aber nur mit Namen, ohne weitere Informationen, genannt ist; diese
Seite weist übrigens deutliche Textunterschiede in der deutschen und der
englischen Version auf.
Weitere
Treffer nennen Buchpublikationen zu seiner Person, so mehrfach das Buch von
Rumschöttel und Ziegler, und über die Homepage von Herrn Becker dessen Publikation.
Die Generaldirektion der Bayerischen Archive lädt für ein Kolloquium vom Juli
1998 ein, und schließlich führt der 47. Treffer auf die Seite für unsere
derzeitige Veranstaltung.
Die Suche mit Google verlief etwas erfolgreicher. Zunächst lassen sich
die Treffer dort tatsächlich auf die unmittelbare Folge „Franz Sperr“
beschränken, so daß wir als nicht interessierende Informationen nur noch auf
unseren Filialleiter und die Straßennamen stoßen. Google
bietet zusätzlich zu den Ergebnis von Metager:
·
eine italienische Seite mit einem Aufsatz über Alfred Delp (von Oscar Sanguinetti) und
·
eine ausführliche französische Seite, die offenbar von einer
aus Deutschland stammenden Germanistin gestaltet
ist (www.resistanceallemande.online.fr).
Auf einigen weiteren Seiten ist
er erwähnt, ohne daß längere Angaben zu ihm gemacht werden, so vom
·
„Verein der Bayern in Berlin“, wo er Ehrenmitglied war;
·
in einem Artikel vom Juni 2001 in der Zeitschrift „Das Parlament“;
·
in der Zeitschrift „Deutschland Journal“ der „Staats- und Wirtschaftspolitischen
Gesellschaft e.V.“ von 2001; und
·
auf der Seite der Erzdiözese München und Freising in einer
Art Heiligenkalender.
Schließlich bietet die „Gesellschaft
für Allgemeine und Integrative Psychologie“ eine „Ehrentafel und zum Gedenken
(!) der Opfer des Widerstandes vom 20. Juli 1944“, eine Liste mit Portraits
und Namen, aber ohne weitere Information. Wir haben immerhin einiges gefunden,
wenn wir uns auch für eine wirklich wissenschaftliche Recherche auch noch
eines so reaktionären Mediums wie des gedruckten Buches bedienen müßten.
Ich darf also abschließend etwas
Reklame in eigener Sache machen. Ergebnis des eingangs erwähnten Seminars
„Geschichte im Internet“, das ich im abgelaufenen Wintersemester gehalten habe,
ist nämlich eine Internetseite, die ich Ihnen jetzt kurz vorstellen möchte,
wobei das Kind mit gerade einmal 5 Monaten Lebensalter natürlich noch nicht
ausgewachsen ist. Es trägt den schönen Namen „Passauer Portal zum Geschichtslehrplan“
oder abgekürzt „PassPort Geschichte“
►►►.
Aufgabe der Seminarteilnehmer war nämlich neben dem üblichen mündlichen Referat
die Erstellung einer Linksammlung zu historischen Themen, die gezielt dem
Lehrplan entnommen sind, bzw. für die teilnehmenden Informatiker das Design der
Seite (wobei die Startseite allerdings von mir selbst stammt) und allgemeinverständliche
Erläuterungen der technischen Fragen. Bei ca. 30 Seminarteilnehmern ist das
inhaltliche Angebot noch nicht sehr dicht, aber das läßt sich ja ändern, auch
in Abhängigkeit von dem Interesse, auf das die Seite bei ihren potentiellen
Kunden stößt. Ich darf Ihnen die Seite jetzt kurz vorführen.