Die Weltchronik des Hartmann Schedel

Im Jahre 1493 erschien, zunächst auf lateinisch, dann auch auf deutsch, die Weltchronik des Hartmann Schedel. Berühmt geworden ist sie vor allem durch ihre weit bekannten Städteansichten. Diese sind jedoch nur ein Teil der gesamten Illustrationen; denn die Schedelsche Weltchronik enthält insgesamt 1809 Holzschnitte, gedruckt von 645 Holzstöcken. Sie ist damit das bilderreichste Werk aus der Frühzeit des Buchdrucks, nicht nur in Deutschland, sondern im Abendland überhaupt. Den Druck besorgte der damals bedeutendste Drucker Deutschlands, Anton Kochberger; die Illustrationen entstanden in der größten Malerwerkstatt Nürnbergs, zu einem Zeitpunkt, als Albrecht Dürer dort gerade seine Lehre beendete. Der Autor Hartmann Schedel, Arzt von Beruf, besaß unter den humanistischen Bücherfreunden der Stadt Nürnberg die umfangreichste Privatbibliothek. Sie bildete die Voraussetzung für die Abfassung seiner Weltchronik. Im Wesentlichen erhalten geblieben, ist sie später zum Grundstock der heutigen Bayerischen Staatsbibliothek geworden.

Die Erläuterungen zu Passau beruhen auf Kenntnis und Augenschein der geographischen Verhältnisse. Der Zusammenfluss von Donau, Inn und Ilz und die daraus resultierende längliche Form der Stadt wird genau beschrieben, auch die Brücken genannt. Vom St. Stephansdom weiß Schedel, dass er sich noch im Bau befindet. Von den zwei bischöflichen Schlössern – also dem heutigen Oberhaus und Niederhaus – kennt er die Innenräume. Die Ansicht zeigt die Stadt vom rechten Innufer aus; sie erreicht einen hohen Grad von Authentizität.

Die Verbindung der Stadt zu Böhmen und Österreich einerseits und Oberdeutschland andererseits ist die Ursache dafür, dass man

"nach eigenschaft des welschen gezüngs diese stat Passau nennet, das nach art unseres gezüngs soviel ist als durchgang, dann es wardt durch diese stat die welsch kaufmannschaft in das Behmisch lannd gefüret…".


bearbeitet von: Heinrich Frömsdorf
(18.8.2004)

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