Walther von der Vogelweide (*1170/+1230)

 

Bild und Gedichtsbeispiele in mittelhochdeutscher, neuhochdeutscher und englischer Sprache

Über das Leben des wohl bedeutendsten deutschen Minnesängers ist relativ wenig bekannt. Während eine Vielzahl seiner Werke bis zum heutigen Tage erhalten ist, existiert so etwas wie eine zeitgenössische Biographie nicht. Daher ist man beim Skizzieren seiner Vita auf dokumentarische "Schnappschüsse" angewiesen, d.h. Dokumente, in denen sein Name oder der seines jeweiligen Patrons in irgendeinem Kontext erscheint. Eine solche Biographie ist deshalb alles andere als vollständig, und es ist davon auszugehen, dass die Auswahl der Ereignisse nicht allesamt auf ihrer tatsächlichen Bedeutung in Walthers Leben, sondern einzig auf ihrer zufälligen Überlieferung beruht.

ca. 1170 vermutlich im damals bairischen Südtirol auf einem der beiden Vogelweidhöfe im Lajener Ried als Sohn eines Freibauern oder Ministerialen geboren. (andere mögliche Geburtsorte: Wien, Feuchtwangen, Frankfurt)
1177 Regierungsantritt Herzog Leopolds V. von Österreich.
ca. 1190 erste Dichtungen. Das früheste Werk dürfte verloren sein.
1194 Tod Herzog Leopolds V. Sein Sohn Herzog Friedrich folgt ihm auf den Thron.
ca. 1195 Walther am Hof der Babenberger zu Wien (später auch Klosterneuburg). Dort lebt als Hofpoet Reinmar von Hagenau (genannt "Reinmar der Alte"). Der Überlieferung nach ist Walther sein Schüler.
ab 1196 Walthers gegensätzliche Auffassung vom Minnesang führt zur "Reinmar-Fehde".
28.9.1197 Kaiser Heinrich VI. stirbt. Sein Bruder Philipp von Schwaben wird für den dreijährigen Friedrich II. zum Reichverweser bestimmt.
8.3.1198 Herzog Philipp von Schwaben wird zum deutschen König gewählt. Die welfische Partei stellt in Otto von Braunschweig einen Gegenkandidaten auf.
April 1198 Walthers Gönner, Herzog Friedrich I. von Österreich, stirbt auf einem Kreuzzug. Sein Bruder und Nachfolger Leopold und Franz unterstützt Reinmar gegen Walther. Es kommt zum Bruch.
12.7.1198 Otto von Braunschweig wird in Aachen als Otto IV. zum Gegenkönig gekrönt.
8.9.1198 Philipp von Schwaben wird in Mainz (mit den echten Kroninsignien) zum deutschen König gekrönt.
Ende 1198 Walther muss den Wiener Hof verlassen. Seine Wanderjahre beginnen.
Dez. 1199 Die Magdeburger Weihnacht. Walther nimmt im Gefolge König Philipps und seiner Gemahlin Irene-Maria, einer byzantinischen Prinzessin, am Weihnachtsfest im Dom zu Magdeburg teil.
März 1200 Hoftag in Nürnberg, wo Walther Herzog Leopold VI. trifft.
Mai 1200 Walther als Gast beim Fest der Schwertleite Herzog Leopolds VI.
1.3.1201 Gegenkönig Otto IV. wird von Papst Innozenz II. anerkannt.
3.7.1201 Der Papst verhängt den Kirchenbann über König Philipp und seine Anhänger.
8.9.1201 Hoftag König Philipps in Bamberg. Walther nimmt – vermutlich mit der Wiener Gesandtschaft – daran teil.
Winter 01/02 Walther als Gast des Landgrafen Hermann von Thüringen auf der Wartburg.
27.11.1201 Sonnenfinsternis, die Walther in seinem Spruch "Jetzt wachet auf, es naht der Tag" erwähnt.
1201/02 Walthers Kritik an König Philipp; Sprüche der "Philippschelte".
12.11.1203 Das einzige schriftliche Zeugnis aus Walthers Lebenszeit in einer Reiserechnung des Bischofs Wolfger von Passau. Walther erhält einen Pelzrock im Wert von fünf Schillingen (Auszug aus der Originalurkunde mit Übersetzung).
Winter 03/04 Walther im Gefolge Bischof Wolfgers am Wiener Hof, wo Herzog Leopolds Hochzeit mit der byzantinischen Prinzessin Theodora gefeiert wird. Der namentlich unbekannte Vollender des Nibelungenliedes könnte – zusammen mit Walther – ebenfalls im Gefolge des Bischofs gewesen sein.
Anfang 1204 Der zum Patriarchen von Aquilea ernannte Bischof Wolfger reist von Wien aus zu seinem neuen Amtssitz. Walther ist vielleicht in seinem Gefolge.
1204-07 Walther mehrmals am Thüringer Hof. Landgraf Hermann schwenkt zur Welfenpartei über.
1205 Der "Streit ums Pferd" mit dem Ritter Gerhard von Atze am Thüringer Hof.
1206/07 Walther trifft auf der Wartburg Wolfram von Eschenbach. Später wird das Treffen als "Wartburgkrieg" sagenhaft besungen.
ca. 1207 Tod Reinmars von Hagenau. Walther vermutlich in Wien/Klosterneuburg. Totenklage auf Reinmar.
1207/08 Walther wendet sich – vielleicht unter dem Einfluss des Landgrafen Hermann von Thüringen – von König Philipp ab.
12.6.1208 König Philipp wird durch Pfalzgraf Otto von Wittelsbach ermordet.
11.11.1208 Otto von Braunschweig wird erneut und diesmal völlig legitim zum deutschen König gewählt.
1208-1212 Walthers unruhige Wanderjahre. Ein mehrmaliger Wartburgaufenthalt ist wahrscheinlich. Auch der Besuch im Kloster Tegernsee könnte in diese Zeit fallen.
4.10.1209 Otto IV. in Rom von Papst Innozenz III. Gegen die Abmachung mit dem Papst zieht er nach Sizilien um dort Friedrich II. (Sohn Heinrichs VI.) von Hohenstaufen zu entmachten.
18.11.1211 Papst Innozenz verhängt über Kaiser Otto den Kirchenbann.
1219/20 Walther schreibt traditionelle Minnelieder, wohl im Auftrag und zur Auflockerung seines Vortragsprogramms.
Sept. 1211 Friedrich von Staufen zum deutschen König gewählt.
1212 Walther im Dienst des Markgrafen Dietrich von Meißen.
März 1212 Walther mit Dietrich von Meißen auf dem Frankfurter Hoftag beim Empfang Kaiser Otto IV. Walther bittet beim Kaiser für den Markgrafen.
1212/13 Walther im Gefolge Kaiser Ottos IV. Polemische Sprüche gegen Papst Innozenz III. Walther auf dem Höhepunkt seiner Popularität.
Juli 1212 Kaiser Otto IV. heiratet Beatrix, die vierzehnjährige Tochter seines ermordeten Vorgängers Philipp von Schwaben. Die meisten deutschen Fürsten wenden sich von Otto ab.
9.12.1212 Friedrich II. wird in Mainz zum deutschen König gekrönt.
Sommer `13 Walther bittet Kaiser Otto IV. um ein Lehen.
1213/15 Walther dichtet den Leich.
Juli 1214 In der Schlacht bei Bouvines verliert Kaiser Otto IV. Krone und Reich.
1214 Walther am Hof Herzog Bernhards von Kärnten in St. Veit.
1214/15 Walther wechselt zu König Friedrich II. über.
1215-18 Walthers Sprüche im Dienst König Friedrichs II.
16.7.1216 Papst Innozenz III. stirbt in Perugia.
25.4.1217 Landgraf Hermann von Thüringen stirbt.
1218/19 Walther bittet König Friedrich um ein Lehen
Mai 1219 König Friedrich II. in Würzburg, wo er Walther ein kleines Lehen (Hofgut) überträgt. (Vielleicht wurde Walther auch erst auf dem Frankfurter Reichstag 1220 belehnt.)
22.11.1220 Friedrich II. von Papst Honorius III. in Rom zum Kaiser gekrönt.
17.2.1221 Markgraf Dietrich von Meißen stirbt.
1224 Erzbischof Engelbert von Köln als Gönner Walthers.
ca. 1224/25 Walther zu Gast bei dem Grafen Dieter von Katzenellenbogen.
7.11.1225 Erzbischof Engelbert von Köln wird ermordet.
Herbst 1227 Walther verfasst die "Elegie".
1227/29 Walther schreibt seine Kreuzzuglieder.
7.9.1228 Kaiser Friedrich landet in Palästina.
18.3.1229 Kaiser Friedrich II. krönt sich selbst zum König von Jerusalem.
ca. 1230 Walther stirbt in Würzburg und wird im Kreuzgang des Stiftes Neumünster begraben.
nach 1230 Ulrich von Singenberg dichtet einen Nachruf auf seinen verehrten Lehrer, den "Meister von der Vogelwaid".
1323 Walthers Würzburger Lehen als "curia dicta zu der Vogelwaide" urkundlich erwähnt.
1345-50 Michael de Leone, Canonicus am Neumünster, sammelt Walthers Werke und erwähnt sein Grab im "grasehove" des Kreuzgangs.

Quellen und zusätzliche Informationen zum Thema lassen sich auch auf den - über die folgenden Hyperlinks erreichbaren - Homepages erhalten:

bearbeitet von: Christian Kunze
(23.11.2004)

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