Lederergasse

Die Lederergasse befindet sich in der Innstadt. Sie erstreckt sich von der Kirche St. Gertraud bis zum Severinstor. Heute noch erinnert der Peichterturm daran, dass die Lederergasse bis 1414 den Namen Peichtergasse trug.

Im Handwerk war es üblich, sich in Zünften zusammen zu schließen. Zur Ausübung ihrer Tätigkeit ließen sich die Mitglieder einer Zunft gemeinsam in einer Gasse nieder. Wie der Name schon sagt, ließen sich die Lederer in der Lederergasse nieder. Am 10. Dezember 1258 wurde für sie der "Löderer Brief", der älteste Freibrief für die Zunft der Lederer, durch Bischof Otto ausgestellt.

Ein Lederer, heute würde man sagen Gerber oder Rotgerber, wandelt unbehandelte Tierhäute oder Felle in Leder um. Dies geschieht mit Hilfe von Gerbstoffen auf pflanzlicher oder mineralischer Basis, mit Fett oder in einem kombinierten Verfahren. Nach dem Gerben muss das Leder noch weiter aufbereitet und gefärbt werden. Alte Passauer berichten heute noch, dass die Lederer große Mengen Lohe (von mhd. Lohe=Rinde) bzw. Eichenrinde benötigten. Die Rinde wurde auf dem Lohhaufen in der Innstadt gesammelt.

Der Beruf des Lederers war sehr lukrativ, sodass man sie landläufig auch "Bürgerkönige" nannte. Das kaufmännische Geschick der Lederer zeigte sich darin, dass schon grenzüberschreitend tätig waren, indem sie ausländische Lederwaren verkauften. Bei Hochwasser am Inn und zu der Zeit, als die Innbrücke zerstört war, verlagerte Lederermeister Anton Schneider den Verkauf kurzerhand in die Altstadt. Noch um 1900 beschäftigte Lederer Kuchler ein beachtliches Personal von etwa 30 Gesellen. In seinem barocken Weinwirtshaus "zum Elefanten" am Kirchplatz, später "zum Schwarzen Adler", war sogar gelegentlich König Ludwig I. bei Tanzfesten zu Gast.

Von J. Lenz ist folgende niederbayerische Sage überliefert:

"Die drei Lederer zu Passau"

Vom Severintor zu Passau führt ein enger Weg bis zum Neutor in die Mariahilfstraße zurück. Dort sieht man an einer Gartenmauer einen eingemauerten Stein, auf dem drei Männerköpfe abgebildet sind. Die Sage erzählt, dies seien die Köpfe dreier Lederer aus der Innstadt, die die Erbauer der Stadtmauer gewesen sein sollen."

Sehenswürdigkeiten in der Lederergasse: Kirche St. Gertraud, Kastell Boiotro, Severinstor, Kirche St. Severin

Bild:

bearbeitet von: Gaby Küppers
(17.8.2004)

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