Passau-Strophe
und Pilgrim ergänzen
Das Nibelungenlied ist die bedeutendste deutsche Heldendichtung des Mittelalters.
Es beruht auf älteren mündlichen Überlieferungen und wurde um oder kurz nach 1200 niedergeschrieben. Die Sprache ist mittelhochdeutsch. Der Dichter des Nibelungenliedes ist unbekannt. Allerdings spricht einiges dafür, dass die Entstehung des Liedes mit Passau bzw. dem Großraum der mittelalterlichen Diözese Passau in Verbindung zu bringen ist. Als Auftraggeber und Mäzen des unbekannten Dichters des Nibelungenliedes ist mit großer Wahrscheinlichkeit Wolfger von Erla anzusehen, der von 11911204 Bischof von Passau war.
In gesprochener Form würde das 'Nibelungenlied' als Ganzes etwa acht bis zehn Stunden beanspruchen. In rezitativischer oder gesungener Form würde sich die Vortragsdauer nochmals wesentlich erhöhen.
Entgegen früheren Annahmen lässt sich aus der Überlieferung des Nibelungenliedes' kein einheitlicher Text gewinnen, der einen auch nur einigermaßen sicheren Anspruch auf 'ursprüngliche' Authentizität beanspruchen könnte. Die drei Haupthandschriften des 'Nibelungenliedes' werden heute in München (Handschrift A), St. Gallen (Schweiz) (Handschrift B) und in Karlsruhe (Handschrift C) aufbewahrt. Die verhältnismäßig große Zahl der heute noch erhaltenen Manuskripte (35 nachweisbare Handschriften und Handschriftfragmente aus dem 13. bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts) bezeugt, dass sich diese Dichtung in der Zeit um 1200 und in den nachfolgenden Jahrhunderten großer Beliebtheit erfreut haben muss. Im 16. Jahrhundert gerät das 'Nibelungenlied' aber fast vollständig in Vergessenheit. Die neuzeitliche Rezeption des 'Nibelungenliedes' setzt erst wieder im Jahre 1755 ein.
(Markus Schönberger)