Salzhandel

Der Salzhandel war für Passau im Mittelalter der wichtigste Motor der Wirtschaft, da Salz ein wichtiger Rohstoff war, der in verschiedenen produzierenden Gewerbezweigen Verwendung fand (bei der Verarbeitung von Fellen, in der Glas- und Keramikherstellung, sowie bei der Metallveredelung benötigte man Salz), in der Religion eine wichtige Rolle spielte (so findet sich bereits bei der frühesten liturgischen Anwendung während des Taufritus das Salz wieder – dem erwachsenen Taufbewerber wurde geweihtes Salz gereicht) und vor allem das wichtigste Konservierungsmittel für Lebensmittel darstellte.

Da Passau nur über sehr begrenzte eigene Rohstoffvorkommen verfügt, kam dem Handel mit dem "Weißen Gold" eine Sonderstellung zu, die durch die günstige topografische Lage der Bischofsstadt entsteht. Der Zusammenfluss von Donau, Inn und Ilz machte Passau zu einem Verkehrsknotenpunkt und Umschlagplatz am Handelsweg, vor allem zwischen Bayern, Österreich und Böhmen.

Bereits in vorchristlicher Zeit bezog man Salz aus den alpinen Salzbergwerken in der Gegend um Salzburg herum, allerdings gelangte erst im Laufe des 7. Jahrhunderts die Saline Reichenhall wieder zu überregionaler Bedeutung und ab dem 8. Jahrhundert, aufgrund einer Schenkung durch Tassilo III., beteiligte sich der Passauer Bischof selber an der Gewinnung des Reichenhaller Salzes. Seit dem Ende des 12. Jahrhunderts erreichte das Salzbergwerk Hallein wieder eine bedeutende Stellung für den Salzhandel nördlich der Alpen gegenüber dem Meersalzimport aus Italien.

Transportiert wurde das Salz von den Salinen stromabwärts des Inn, wobei neben dem kostbaren Gut auch andere Waren entweder zu Schiff oder zu Land befördert wurden. Allerdings war der Transport auf dem Wasserweg sowohl schneller als auch kostengünstiger als der mühsame Landweg, da Straßen meist nur schlecht oder gar nicht befestigt waren und Holzschiffe ein größeres Fassungsvermögen hatten als Lasttiere oder sogenannte Säumer, Träger welche die Salzladungen auf ihrem eigenen Rücken beförderten. Gleichzeitig wurden Pferde auch als Zugtiere stromaufwärts eingesetzt. Je nachdem, ob es flussauf- oder flussabwärts ging, benötigten die Schiffe zwischen 8 Tage und zwei Wochen, was auch von der Menge der transportierten Ware abhing.

Ende des 10., Anfang des 11. Jahrhunderts ergab es sich, dass böhmische Händler eine günstigere Möglichkeit sahen, statt in Linz, sich in Passau mit Salz einzudecken, da Kaiser Heinrich II. im Jahr 1010 dem Kloster Niedernburg einen großen Teil des Nordwaldes bis hin zur böhmischen Grenze geschenkt hatte und somit ermöglichte, den "böhmischen Zoll" bereits zwischen Inn und Donau durch verschiedene Mauten abzuwickeln.

Die Bischöfe hatten stets großes Interesse daran, dieses lukrative Zollrecht gänzlich in ihren Händen zu sehen, doch mussten sie dies dem Kloster überlassen, da, seit Bischof Wolfger urkundlich festgelegt, die Hälfte der Maut an die Klosterfrauen zurückging, was Passau durch die Einnahmen in die Lage versetzte, öffentliche Gebäude zu errichten und instandzuhalten wie unter anderem den Dom, den Residenzplatz und die Stadtmauern, sowie die Innbrücke und die Donaubrücke.

Bevor das Salz aus den alpinen Salinen in die nördlichen und östlichen Absatzgebiete gelangte, mussten jedoch mit dem Landen der Ware in Passau verschiedene Stationen durchlaufen werden. Diese logistische Aufgabe übernahmen private Unternehmer, auch Salzfertiger genannt, die ab 1256 die Möglichkeit hatten, die kostbare Ware in großen Lagerhallen zu deponieren. Somit erlangten die Salzfertiger nicht nur wirtschaftliche sondern auch politische Bedeutung. Bischof Otto hatte die Grundlage geschaffen, den Salzhandel zu regeln und das Niederlagsrecht in Passau zu festigen: Salz, das auf dem Inn transportiert wurde, musste mindestens drei Tage lang in Passau gelagert und auch zum Verkauf angeboten werden. Die Passauer Händler erlangten dadurch eine mächtige Monopolstellung gegenüber ihren Konkurrenten aus Böhmen oder Österreich.

War die Verzollung und der Verkauf vor Ort abgeschlossen, konnten die übrigen Bestände ihren weiteren Weg über die Ilzstadt in Richtung Norden und Osten nehmen. Die Handelsroute von Passau nach Böhmen erhielt schon im Mittelalter den Namen "Goldener Steig", was den Wert dieses kostbaren Guts hervorhebt, den die Menschen dem "Weißen Gold" schon früh beimaßen. Als Gegenfracht kamen wiederum andere Handelsgüter nach Passau, die in den Süden weitertransportiert wurden.

Profitabel war der Handel mit Salz in Passau allemal, was die Stadt zu einem attraktiven Zentrum machte. Im Vordergrund steht selbstverständlich der Bischof, der an den Zöllen und Steuern verdiente, aber in erster Linie sind es die Salzfertiger, die beträchtliche Gewinne erzielen.

Allerdings fanden auch zahlreiche andere Berufssparten indirekt ihr Auskommen. Man denke nur an die Salzfassbauer, die Schiffsreiter oder alle Handwerker, die ohne Salz ihre Produktion erst gar nicht tätigen könnten. Und daneben profitierten indirekt auch andere Gewerbe vom Salzhandel in Passau, wie Gastwirte oder Schopper, welche die Salzschiffe bauten. Wie alle Handwerker waren auch diese in einer Zunft organisiert und waren für den Transport auf Donau und Inn unersetzbar.

Insgesamt kamen viele der Handwerksmeister, sei es direkt oder indirekt, die am Handel verdient hatten, neben dem Reichtum auch zu gesellschaftlichem Ansehen und teilweise zu politischen Ämtern in Passau.

Bis zum späten Mittelalter konnte sich Passau als mächtige Handelsstadt präsentieren, doch riss der Handel in der Dreiflüssestadt 1526 ab, als Böhmen unter habsburgische Herrschaft geriet. Entscheidend war jedoch, dass der bayerische Herzog 1586 vor den Toren Passaus einen eigenen Umschlagsplatz in der Hofmark St. Nikola aufbaute und somit den Salztransport in die Bischofsstadt unterband. Acht Jahre später war das Schicksal Passaus mit der Einigung zwischen dem bayerischen Herzog Maximilan und dem Salzburger Erzbischof besiegelt: Bayern hatte die wichtigste Salzproduktionsstätte Hallein übernommen, und Böhmen erhielt von nun an die Salzlieferungen aus Österreich.

1706 wurden sämtliche Salzeinfuhren nach Passau untersagt, und die ehemals florierende Wirtschaftsmetropole stieg ökonomisch in die provinzielle Bedeutungslosigkeit ab.

bearbeitet von: Kyung Hendrich
(18.8.2004)

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