Stadtbrände

846 Erwähnung eines Stadtbrandes. Ansonsten ist über die inneren Verhältnisse in Passau wenig zu erfahren.
1132 Auch der Stadtbrand von 1132 wird in den Chroniken nur kurz erwähnt. Er soll allerdings zerstörerische Ausmaße angenommen haben.
1181 Bei einem weiteren Stadtbrand wird neben einem großen Teil der Stadt auch der Dom in Schutt und Asche gelegt, der neu aufgebaut werden musste.
1299 Erstmalig wurden im Stadtrecht 1299 Strafen für Feuerverwahrlosung und Brandstiftung angedroht. Über Brandstifter wurde die Acht verhängt, d.h. sie durften von niemandem unterstützt werden, wer sie tötete, blieb straffrei, und ihr Vermögen wurde konfisziert. Sollte ein Feuer durch Fahrlässigkeit oder einen Unfall ausbrechen, musste man vor die Tür treten und um Hilfe rufen.
1484-1525 Da die Brandgefahr in Kriegen steigt, wurden von 1484 - 1525 insgesamt vier "Feuer- und Verteidigungsordnungen" festgelegt, die Bestimmungen zum Ablauf der Löscharbeiten und zur Kontrolle Fremder, die Brandstiftung begehen könnten, enthielten. 1525 wurde eine jährliche Besichtigung der Feuerstätten eingeführt.
1508/12 Nachdem schon 1508 ein Teil des Neumarktes niedergebrannt war, brach dort 1512 wieder ein Brand aus. 300 Häuser standen in Flammen. Lediglich sieben Häuser und das Johannes-Spital waren nicht betroffen.
1546 Die erste selbständige Feuerordnung machte Baugenehmigungen für Feuerstätten und Rauchfänge erforderlich, jedoch nicht für das ganze Gebäude.
1662/80 Der katastrophale Stadtbrand von 1662 breitete sich wegen der mittelalterlichen, engen Bauweise, die auch viel Holz verwendete, in rasender Schnelle aus. Die Altstadt brannte vollständig nieder, aber auch die Innstadt, das Kloster Mariahilf und der Neumarkt wurden ein Raub der Flammen. Insgesamt verbrannten 890 Gebäude. Mindestens 200 Menschen starben durch herabfallende Gebäudeteile oder an Rauchvergiftung. Noch bevor die Stadt wieder vollständig aufgebaut war, kam es 1680 zu einem weiteren Stadtbrand, der wieder die Altstadt, eventuell auch die Innstadt traf. Angeblich lag der Brandherd im Kloster Niedernburg. Die beiden Stadtbrände vernichteten auch die letzten Patriziertürme der Stadt.

Mittelalterliche Bauweise vor dem Einfluss feuerschutztechnischer Überlegungen:

Noch bis ins späte Mittelalter hinein waren die meisten bürgerlichen Bauten unter Einsatz von viel Holz mit einem zur Straße hin flach abfallendem Schindeldach und einem weit über die Giebelmauern ragenden Vordach gebaut. Bei Bränden konnten so brennende Holzteile auf die Straße fallen, die Passanten erschlugen, die Löschmannschaften behinderten und zu einer schnellen Ausbreitung des Feuers führten. Auch die Dübeldecke war weit verbreitet. Diese ist dadurch gekennzeichnet, dass sich direkt unter dem Dachstuhl eine Balkenlage befindet, die gleichzeitig das Dach für die Zimmer darunter darstellt. Die Holzbalken liegen ohne Zwischenräume unmittelbar nebeneinander und sind mit Dübeln verbunden. Je wichtiger Passau wirtschaftlich gesehen wurde, desto mehr bekamen die Häuser auch eine Funktion als Laden oder Werkstatt. Deshalb verbreitete sich auch das Satteldach, weil man das so entstehende Dachgeschoss als Lagerraum nutzen konnte.

Von den zahlreichen Bränden hervorgerufene Änderungen:

Im Laufe der Zeit wurde auch das hölzerne Vordach, das selbst beim Übergang zum Steinbau anfangs noch beibehalten wurde, immer seltener. Statt dessen mauerte man die Giebel ein Stück über die Dächer hinaus. In der Gotik waren diese Giebelmauern meist treppenartig abgestuft oder hatten Zinnen, in der Renaissance und im Barock gab es auch geschwungene Formen. Außerdem setzte sich ein vollständig waagrechter Giebelabschluss mit auch zwischen den Häusern hochgezogenen Trennwänden durch. So wurde sowohl die Gefahr herabfallender Holzteile als auch die des Übergreifens der Flammen auf die Nachbarhäuser eingedämmt. Neben den Neuerungen, die die durch den wirtschaftlichen Aufschwung angezogenen italienischen Baumeister eingeführt hatten, waren es also vor allem feuerschutztechnische Überlegungen, die das Stadtbild Passaus verändert haben.

bearbeitet von: Andrea Bachmeier
(18.8.2004)

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