Severins Herkunft ist nicht mit Sicherheit
bekannt. Aufgrund seines Sprachgebrauchs wies er sich jedoch als
Lateiner aus. Sein organisatorisches Geschick und sein
rhetorisches Können deuteten auf die Abstammung aus einer
Führungsschicht hin.
Er selbst sprach jedoch nie von seiner Herkunft, sondern sagte
nur, dass er im Auftrag Gottes komme. Man geht davon aus, dass
sich Severin einige Zeit im Orient aufgehalten hat, bevor er nach
dem Tod Attilas 453 in die römische Provinz Noricum (entspricht etwa dem heutigen Ober- und
Niederösterreich) kam.
Er ging in das Land an der Donau, um seine religiösen Ideen zu verbreiten und die
romanische Bevölkerung zu unterstützen. Mitte des 5.
Jahrhunderts war dieses Land dem Ansturm der Germanen schutzlos
ausgeliefert, da die Grenzen nicht mehr gegen die nördlichen
Barbaren gehalten werden konnten. Nach dem Tod Attilas
bekämpften sich die Völker gegenseitig.
In dieser Zeit wurde Severin zum Beschützer der Bevölkerung und
zum Vermittler zwischen Fürsten und der römischen
Grenzbevölkerung. Er verhandelte mit den Fürsten, um Einfälle
in den Städten der Provinz zu verhindern und Gefangene zu
befreien.
Als Severin in Noricum eintraf, existierte
bereits eine gewisse Armenfürsorge, und er versuchte, der
Bevölkerung ein relativ geordnetes und gesichertes Leben zu
ermöglichen, indem er zahlreiche Hilfsmaßnahmen organisierte.
Charakteristisch für Severin waren seine starke Frömmigkeit,
eine hohe Einsatzbereitschaft, wenn es um seine Mitmenschen ging,
eine asketische Haltung, hohe organisatorische Fähigkeiten und
außerdem gute strategische Kenntnisse.
Diese Fähigkeiten setzte der Heilige auch ein, als die Bürger von Passau im 5. Jahrhundert nicht gewillt waren, ihre Stadt aufzugeben. Er kündigte ihnen an, dass sie bald abziehen müssten, doch die Bevölkerung war dazu nicht bereit und forderte ihn nun wiederum auf, die Stadt zu verlassen. Batavis (Passau) wurde jedoch durch die Germanen überfallen und die Lage für die Romanen wurde immer bedrohlicher. Genauso wenig wurde Severins Warnung in Ioviaco (Schlögen) beachtet, wo die Heruler (germanischer Stamm aus Nordeuropa) einfielen, Verwüstungen hinterließen und Gefangene nahmen.
Auch die Bevölkerung von Binnennoricum wurde von Severin ermahnt, hörte jedoch auf ihn
und zog sich in die Kastelle zurück. Kurz darauf wurde die
Stellung von den Alemannen eingenommen, die Bewohner der Kastelle
kamen davon.
Die Menschen flohen von Quintanis (Künzing), welches nicht mehr
gehalten werden konnte, nach Batavis und schließlich auf Raten
des Severin nach Lauriacum (Lorch).
Kurze Zeit später wurde Passau von den Thüringern überfallen.
In Lorch wurde eine Art Auffanglager errichtet, in dem die
Menschen versorgt wurden. Severin befreite Gefangene aus fremden
Lagern und einigte sich schließlich mit dem König auf eine
friedliche Übersiedlung der Bevölkerung nach Favianis (dem
heutigen Mautern).
Durch die oben beschriebenen Aktivitäten
des Severin in Noricum zeigt sich seine außergewöhnliche
Persönlichkeit. Er mobilisierte einheimische Kräfte und
beteiligte sich an militärischen Unternehmungen. Seine Stärke
lag vor allem in der Organisation notwendig gewordener
Hilfsmaßnahmen und in diplomatischen Tätigkeiten.
Es gelang ihm immer wieder, die Angriffe germanischer Stämme
abzulenken. Als dies nicht mehr durchsetzbar war, war Severin
jedoch auch realistisch genug, den Rückzug vor den germanischen
Völkerschaften und den Abzug nach "Italia"
einzuleiten.
Severins politische Tätigkeit gipfelte in seinen Beziehungen zu Odoaker, welchem er den Weg nach Italien ebnete. Durch seine Persönlichkeit galt er als das eigentliche Oberhaupt der Kirche im Donauraum und er hat letztendlich über die Evakuierung von Batavis entschieden. Er war bei den Römern und den Germanen hoch angesehen. Am 08.01.482 starb Severin in Favianis.
Als wichtigste Quelle ist das Werk von Eugippius, einem Schüler Severins, zu nennen, welcher Das Leben des Heiligen Severin schriftlich festgehalten hat. Die Vita sancti Severini gilt gleichzeitig als eine der bedeutendsten Frühquellen für die Geschichte der Region.
Heute erinnern noch das Kastell Boiotro, die Severinskirche und das Severinstor in der Innstadt von Passau an den Aufenthalt des Heiligen in Batavis.
bearbeitet von:
Stefanie Töller
(18.8.2004)