Ort-, Zeit- und Seitenangaben in der Literatur

Bischof Wolfger (1191-1204)

(31. Bischof von Passau)

ca. 1140 Geburt Wolfgers in dem niederösterreichischen Erla an der Enns
  Hochzeit und Geburt des Sohnes Ottokar, vielleicht auch weiterer Kinder; erst als Witwer Eintritt in den geistlichen Stand
1183 Propst von Münster (Pfaffmünster?)
1184 Propst von Zell am See, Domkanoniker in Passau
1191 Wahl zum Nachfolger Bischofs Diepolds von Passau am11. März
Empfang der Priester- und Bischofsweihe in Salzburg am 8./9. Juni
Einzug und Inthronisierung in Passau am 12. Juni
1193 vermittelt bei den Verhandlungen über das Schicksal des in kaiserlicher Haft befindlichen Richards Löwenherz von England; als Entlohnung übergibt Kaiser Heinrich VI. endgültig das Kloster Niedernburg (inkl. Vogteirecht und Steuern) an das Passauer Hochstift; dadurch Ausdehnung des Territoriums.
1195 vermittelt zwischen Kaiser Heinrich VI. und Papst Cölestin III., die sich wegen der imperialen Pläne des Kaisers im Streit befanden.
Versuch, auf dem Gebiet der Passauer Diözese ein neues Bistum für Österreich zu errichten; Passau sollte dabei zum Erzbistum erhoben und aus der Unterstellung unter Salzburg befreit werden.
1197 Teilnahme am Kreuzzug (Tod Kaiser Heinrich VI.)
1199 Fertigstellung der Feste Obernberg am Inn, um das von mehreren Überfällen durch die Ortenburger gebeutelte Diözesengebiet vor künftigen Überfällen zu schützen (Ortenburger Fehde)
1203/4 führt ein Rechnungsbuch über die Kosten seiner Reisen; darin wird u.a. Walther von der Vogelweide erwähnt.
1204 Wahl zum Patriarchen von Aquileja am 23. Mai
1207/8 vermittelt bei der endgültigen Beendigung des Thronstreit zwischen dem Staufer Philipp von Schwaben und dem Welfen Otto von Braunschweig; Papst Innozenz III. verheißt dem Staufer widerwillig die Kaiserkrönung, jedoch wird Philipp am 21. Juni ermordet, so daß Otto sich durchsetzen kann.
1209 Reichslegat Ottos IV. in Italien seit 13. Januar
1210 zieht sich aus der Reichspolitik zurück, regelt die Zustände im Patriarchat
1215 nimmt am IV. Laterankonzil teil.
1218 Tod in Aquileja am 23. Januar

Bewertung: Während seiner Amtszeit als Bischof von Passau und Patriarch von Aquileja machte Wolfger von Erla vor allem durch sein diplomatisches Geschick auf sich aufmerksam. Sein Talent, durch kluge Verhandlungstaktiken Frieden zu stiften, wurde von Papst, Kaiser und Herzögen in den schwierigsten Situationen genutzt. Ihr Vertrauen brachte ihn schließlich auf sein lang angestrebtes Ziel: den Patriarchenstuhl von Aquileja.

Auch dem Bistum Passau kam sein ausgleichendes Talent zu gute, so beim Erhalt des Klosters Niedernburg. Wolfger war stets um die Ausweitung des Besitzstandes seiner Kirche bemüht, wenngleich er hierbei viel mehr die Ansätze seiner Vorgänger fortführte als selber neue Impulse zu setzten, z. B. bei dem auf den Vorstellungen des Bischofs Pilgrim basierenden Versuch, ein neues Bistum auf Diözesengebiet zu errichten.

Neben seiner Tätigkeit als Diplomat und Vermittler wurde Wolfger von Erla auch berühmt als Förderer der Kunst und Literatur. So ist vermutlich ihm die Endfassung des Nibelungenliedes (ca. 1200) zu verdanken. Die Minnesänger Walter von der Vogelweide unnd Albert von Jahnestorf gehörten zu seinem literarischen Kreis. In den berühmten Reiserechnungen Wolfgers, die Aufschluss über seinen Aufenthalt und Wirken geben, findet sich das einzige außerliterarische Lebenszeichen Walters.

Das Stadtwappen Passau, der "Passauer Wolf", wird auf Wolfger (bzw. dessen Wappen) zurückgeführt.

Die Bedeutung des Bischofs Wolfger von Erla für Passau zeigt sich auch heute noch in einer nach ihm benannten Straße, der Bischof-Wolfger-Straße