Als Domkapitel bezeichnet man die Gesamtheit der Geistlichen an einer Bischofskirche. Seit dem frühen Mittelalter pflegten sie eine dem klösterlichen Leben durchaus vergleichbare Form des Zusammenlebens, woraus sich mit der Zeit eine eigene Rechtspersönlichkeit mit bestimmten Aufgaben und Rechten entwickelt hat. Erwähnenswert ist das Recht, sich selbst eine Verfassung und ein Siegel zu geben und damit auch eigene Urkunden ausstellen zu dürfen.
Dem Domkapitel obliegt es, die Messen und Gottesdienste in der Bischofskirche durchzuführen. Ferner verfügte es seit dem späten 12. Jahrhundert über das Recht, den neuen Bischof zu wählen, und stellte mittels eines Kataloges von Bedingungen, der sog. Wahlkapitulation sicher, daß der Kandidat politisch genehm war. Mit der Zeit ist aus dem Wahlrecht nur noch ein Vorschlagsrecht beim Papst geworden.
Im Inneren verfügt das Domkapitel über eine festgelegte Organisation:
| Domdekan: | von lat. decem
zehn, war ursprünglich der Vorsteher einer Gruppe
von 10 Geistlichen, später für die religiöse und
liturgische Leitung des Domkapitels, sowie die
Gerichtsbarkeit nach innen zuständig. Bekannte Passauer Domdekane des frühen und hohen Mittelalters waren Tageno und Albert Behaim. |
| Dompropst: | von lat. praepositus der Vorgesetzte, zuständig für die Verwaltung der Güter des Kapitels. |
| Kanonikus oder Domherr: | Mitglied des Domkapitels. Die Aufnahme in das Kapitel war z. T. an bestimmte Bedingungen geknüpft, wie Adel oder höhere kirchliche Weihen. Häufig wurde auch eine Art "Spende" von den neuen Mitgliedern erwartet. Die Kanoniker werden i. d. R. vom Kapitel selbst gewählt, während z. B. in Passau ein Mitglied durch den Bischof ernannt wird. |
Seit dem 12. Jahrhundert wurde dem Bischof der Generalvikar oder Offizial als Stellvertreter zur Seite gestellt, um ihn von den wachsenden Amtspflichten zu entlasten und die juristische Qualifikation der Träger der geistlichen Gerichtsbarkeit sicherzustellen.
Die Domkapitel bestehen auch heute noch, das Passauer präsentiert sich unter http://www.bistum-passau.de/site.phtml?page=dmkp_domkapord im Internet.
bearbeitet von:
Magnus Meichelböck
(16.8.2004)