Kaiser Arnulf

ostfränkischer König (887-899) und letzter Kaiser (896-899) aus dem Hause der Karolinger

um 850 geboren als einziger, illegitimer Sohn des ostfränkischen Königs Karlmann († 880) und der Edlen Liutswind ( † 899) in Regensburg.
876 Markgraf von Karantanien (= Kärnten) und Unterpannonien.
880 und 882 Sowohl beim Tod seines Vaters König Karlmann als auch nach dem Ableben dessen Nachfolgers, König Ludwigs III. des Jüngeren (876 – 882), wurde Arnulf in der Thronnachfolge übergangen. 882 musste er deshalb Kaiser Karl III., dem Dicken (876 – 887; seit 881 Kaiser) den Treueeid leisten, und sein Einfluss blieb zunächst weiterhin nur auf Kärnten beschränkt.
In den darauf folgenden Jahren gewann Arnulf in Bayern immer mehr an Macht und entwickelte sich zunehmend zu einem ernsthaften Rivalen für Kaiser
Karl III.
Nov. 887 Laut Annales Fuldenses vollzog Arnulf am 25. November 887 mit einer starken Schar einen spektakulären Aufmarsch im Raum Frankfurt, brachte die Großen des Reiches auf seine Seite und zwang Kaiser Karl III. zur Resignation. Daraufhin wurde Arnulf zum ostfränkischen König gewählt.
Zum bevorzugten Residenzort und Zentrum seiner Herrschaft wählte Arnulf die damalige Hauptstadt Bayerns, Regensburg.
888 – 890 Als wichtige Stützte seiner Macht in Bayern – gegen die einflussreichen bayerischen Adelssippen – sah der neue König die Kirche an, die er mit reichen Zuwendungen bedachte.
So wurde auch u.a. Bischof
Engelmar von Passau hierbei mit berücksichtigt.
891 Arnulf brachte den Normannen bei Löwen an der Dyle die entscheidende Niederlage bei, so dass sie fortan nicht mehr in das ostfränkische Reich einfielen.
892 -893 An der Ostgrenze seines Reiches bekriegte der ostfränkische König mehr oder minder erfolglos die Truppen Swatopluks von Mähren.
893 – 896 Nachdem ihn der Hilferuf des Papstes Formosus ereilt hatte, kämpfte Arnulf gegen dessen Widersacher und gelangte schließlich nach einem dreijährigen Feldzug durch Italien nach Rom.
896 Am 22. Februar 896 wurde Arnulf vom Papst als letzter Karolinger zum römisch-deutschen Kaiser gekrönt.
Ohne die Macht der Parteien in Italien wahrhaftig gebrochen zu haben, musste der neue Kaiser auf Grund schwerer Erkrankung nach Deutschland zurückkehren.
899 Nach mehreren Schlaganfällen stirbt Kaiser Arnulf am 8. Dezember 899 und wird in St. Emmeram in Regensburg begraben.
Sein Nachfolger in der Position des ostfränkischen Königs wurde sein sechsjähriger Sohn Ludwig das Kind.

Für die Stadt Passau von Bedeutung waren zwei von Kaiser Arnulf ausgestellte Diplome. Zum einen wurde im Jahre 888 die Abtei Niedernburg zum ersten Mal schriftlich bezeugt; in einer weiteren Urkunde, datiert vom 13. Dezember 898, schenkte Arnulf dem Passauer Bischof Engelmar ein Grundstück in der Stadtmitte, östlich des Doms.

Die letztgenannte Urkunde ist das einzige unverdächtige Zeugnis, das von einem direkten Übergang eines Königsguts in der Stadt an einen Bischof berichtet.

In einem weiteren Diplom, das auch auf den Namen des Kaisers Arnulf von angeblich 898 ausgestellt ist, heißt es, dass der Bischof Vivilo nach der Zerstörung seiner Bischofstadt Lorch durch die Barbaren (Awaren) mit Billigung des Herzogs Odilo von Bayern, die Kirche von Passau zum Bischofssitz erhoben und dass die agilolfingischen Herzöge ihr gesamtes Vermögen in der Stadt den Bischöfen übertragen hätten. Allerdings ist sich die historische Forschung größtenteils darüber einig, dass es sich bei diesem Dokument um eine Fälschung des Bischofs Pilgrim handelt, die unter dem Namen der Lorcher Fabel bekannt wurde.

Im Gegensatz zum Wunschdenken Pilgrims, der mit seiner Fälschung vermutlich einen kontinuierlichen Übergang zwischen der Herrschaftszeit Herzog Tassilos III. und den Bischöfen Passaus aufzeigen wollte, waren in der historischen Wirklichkeit in die Rechte Tassilos zunächst die karolingischen und anschließend die liudolfingischen Herrscher getreten.

bearbeitet von: Katja Kramer
(3.8.2004)

zum Lexikon     zum Stadtplan     zur Zeitleiste