Boleslav II., der Fromme

Herzog von Böhmen (967/973? – 999)

(*~920, † 7. Februar 999)

Seinen Beinamen erhielt er aufgrund seiner geistlichen Stiftungen (er soll zwanzig Kirchen gegründet und reichlich ausgestattet haben).
Boleslav stammt aus dem Geschlecht der Premysliden, sein Vater war Boleslav I., über seine Mutter liegen keine Angaben vor. Er war über seine Gattin Emma (†1006), deren Herkunft umstritten ist, wahrscheinlich mit der bayerischen Linie des Ottonenhauses eng verbunden; eine erste Ehe mit der Prinzessin Adivea ist unbewiesen. Aus seiner Ehe mit Emma stammen drei Söhne: Boleslav III. (†1037, Hz. 999-1002,1003), Jaromír († 1035, Hz. 1003, 1004-1012,1033-1034) und Udalrich (Oldrich, †1034, Hz. 1012-1033).

973 Die schon von seinem Vater eingeleiteten Bemühungen um die Gründung eines Bistums für Böhmen in Prag werden von Boleslav II. erfolgreich abgeschlossen, es wird in die Kirchenprovinz Mainz eingegliedert. Erste Bischöfe waren der Sachse Thietmar (geweiht 976) und der heilige Adalbert (geweiht 29. Juni 983).
Ostern 973 Boleslav II. trifft in Quedlinburg mit dem Thronerben Otto II. (973-983) zusammen, unterstützt danach jedoch den Gegenkönig Heinrich den Zänker.
Herbst 975 Otto II. unternimmt eine Strafexpedition, trotzdem gewährt Boleslav II. Heinrich im Folgejahr Zuflucht und Schutz.
Juli 976 Boleslav II. unterbindet einen erneuten Einfall eines kaiserlichen Heeres, indem er die Vorhut beim Baden überrascht und das Reichsheer in die Oberpfalz abdrängt. Er stößt mit seinen plündernden Scharen bis nach Passau vor.
977 Nach einer weiteren Zuspitzung des Konfliktes marschiert Kaiser Otto II. aus Sachsen in Böhmen ein und zwingt Boleslav II., um Frieden zu bitten; dieser wird Ostern 978 in Quedlinburg besiegelt, indem Boleslav II. als Lehnsmann des Kaisers wiederaufgenommen wird.
983 Boleslav II. unterstützt mit seinem polnischen Schwager Mieszko I. den Kaiser bei der Niederschlagung des großen Slavenaufstandes.
983 Nach dem Tod Ottos II. in Rom unterstützt Boleslav II. aber erneut den Prätendenten Heinrich den Zänker, der ihm wohl die Mark Meißen versprochen hatte; diese wurde deshalb auch von böhmischen Truppen besetzt. Nachdem sich die Verhältnisse zugunsten Ottos III. ändern, gibt Boleslav II. die Mark zurück und versichert sich so der gnädigen Wiederaufnahme auf dem Hoftag in Quedlinburg Ostern 986. Danach konzentriert sich Boleslav II. auf die Erweiterung seines Herrschaftsgebietes nördlich des Karpatenbogens.
995 Höhepunkt von Boleslavs II. entschlossenem Vorgehens gegen seine innerböhmischen Rivalen: Sobeslav, Sohn des Slavníks, Fürst der Slavnikiden, der Nordostböhmen und vielleicht auch Südböhmen beherrschte, strebt nach voller Selbständigkeit und will sein Gebiet kirchlich nicht unter das Bistum Prag unterstellen lassen. Angeblich beeinflusst von seinen Gefolgsleuten gibt der greise und kranke Boleslav II. seine Zustimmung, die Abwesenheit von Sobeslav zu nutzen und das Herrschaftszentrum der Slavnikiden, die Burg Libice, zu überfallen. Ein Waffenstillstandsangebot der Belagerten wird abgelehnt, und am St. Wenzelstag (28. 09.) wird die Burg erstürmt, geschleift und vier Söhne Slavníks erschlagen. Sobeslav selbst blieb am polnischen Hof. Damit hört das letzte unabhängige Herrschaftsterritorium in Böhmen außerhalb des Prager Herzogtums auf zu bestehen, und die Alleinherrschaft der Premysliden ist sichergestellt.

Bewertung: Boleslav II. spielte vor allem für die Kirche in Böhmen eine sehr bedeutende Rolle, da er maßgeblich an der Gründung des Bistums Prag beteiligt war. Weiterhin stiftete er an die zwanzig Kirchen und in seiner Regierungszeit wurden außerdem drei Klöster gegründet (St. Georg in Prag, St. Bonifatius und Alexius in Prag Brevnov (um 993, der Bau ist jedoch jünger)), kurz vor seinem Tod stiftete er außerdem das Kloster Ostrov südlich von Prag.

Für Passau spielte er vor allem aufgrund seiner Plünderungen 976 im Passauer Land eine große Rolle. Unter den Aufständen des Bayernherzogs Heinrich des Zänkers, den Boleslav II. unterstützte, hatte Passau sehr zu leiden.

bearbeitet von: Ines Brachmann
(16.8.2004)

zum Lexikon     zum Stadtplan     zur Zeitleiste