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Heinrich II. der Zänker(*951, 28. 8. 995 in Gandersheim) Herzog von Bayern (955-976, 988-995) und Herzog von Kärnten (seit 989) |
Herkunft des Beinamens: wegen seiner rebellischen Haltung gegen seinen Vetter, König Otto II. nannte man ihn "den Zänker". Der Beiname ist erst seit Aventin (~ 15. Jahrhundert) belegt.
Heinrich II. stammt aus dem sächsischen Geschlecht der Liudolfinger. Seine Eltern waren Herzog Heinrich I. (Bruder Ottos des Grossen) und dessen Frau Judith. Er selbst war mit Gisela v. Burgund verheiratet. Der Sohn des Zänkers, Heinrich II., der Heilige wurde 1002 zum deutschen König und ab 1014 zum römischen Kaiser gewählt. Seine Tochter Gisela verheiratete er 997 mit dem Herzog Vajk, dem späteren König Stephan von Ungarn.
| 953 | Während des liudolfingischen Aufstands wurde Heinrich II. mit seiner Mutter, Herzogin Judith vorübergehend aus Bayern vertrieben. |
| 955 | Nach dem Tod seines Vaters wird dem Vierjährigen das Herzogtum Bayern mit der Mark Verona übertragen, zunächst unter der vormundschaftlichen Regierung seiner Mutter. Ende der 60er Jahre tritt er die selbständige Regierung an. |
| 974 | Heinrich initiiert eine
Verschwörung gegen seinen Vetter Otto II. mit dem Bischof Abraham von Freising und
den Herzögen Boleslav II. von
Böhmen und Mieszko I. von Polen. (Wahrscheinlich fühlte
er sich von der Politik Ottos bedroht, die eine
allzustarke bayerische Herzogsgewalt verhindern wollte.) Der Plan wird jedoch entdeckt und Heinrich kommt in Ingelheim in Haft. |
| 976 | Nach seiner Flucht nahm er den Kampf um Bayern erneut auf. Er wurde von Otto II. besiegt und seines Herzogtums entsetzt, worauf er nach Böhmen floh. Das um Kärnten und die italienischen Gebiete verkleinerte Bayern fiel an Otto von Schwaben. |
| 977 | Nachdem Heinrich II. erneut Teile Bayerns zurückgewonnen hatte, wurde er bei Kämpfen um Passau besiegt und nach Utrecht verbannt. |
| 983 | Otto II. stirbt. Heinrich versuchte ohne Erfolg, mit der Vormundschaft über Otto III. die Herrschaft im Reich zu erlangen. |
| 985 | In einem Ausgleich wird Heinrich II. wieder als Herzog in Bayern eingesetzt, nachdem er gegen den an seiner Stelle eingesetzten Herzog Heinrich III. von Bayern gekämpft hatte. |
| 989 | Nachdem Tod Heinrich III. erhält
er nun auch dessen Herzogtum Kärnten zurück. In seinen späteren Jahren konzentrierte sich Heinrich II. auf den inneren Ausbau seiner Territorien (Ranshofener Gesetze, 995) und förderte die Anfänge der Kirchenreform. |
| 991 | Heinrich II. siegt (an einem unbekannten Ort) über die Ungarn. |
| 995 | Heinrich II. stirbt bei einem Besuch seiner Schwester Gerberga in Gandersheim. Er wurde in St. Emmeram bei Regensburg begraben. |
Richer, ein zeitgenössischer westfränkischer Chronist, zeichnet Herzog Heinrich wie folgt: "Er war von gleich edler Geburt wie Otto, von schönem und kräftigem Körperbau, ehrgeizig und voller Ränke; sein Geist unternehmend, aber treulos. Aus Herrschsucht schloss er Freundschaft mit allen Frevlern, die für ihr Vergehen entweder schon verurteilt waren oder noch rechtmäßige Strafe zu fürchten hatten; kurz, alle lasterhaften, mit ihrem Gewissen zerfallenen Leute machte er zu seinen Freunden und Vertrauten."
Der Zänker konnte allerdings die Königsherrschaft über das Reich nie erlangen. Zudem gingen durch die Aufstände die territorialen Gewinne seines Vaters weitgehend verloren. Bayern verlor damit die Bedeutung eines großen Alpenherzogtums, das die beiden Reichsteile, den deutschen und den italienischen, miteinander verband.
Bedeutung für Passau:
Durch die Aufstände des Bayernherzogs
Heinrich des Zänkers wurde die Bischofsstadt schwer in
Mitleidenschaft gezogen.
Der ersten Widerstände des ehrgeizigen Vetters war Otto II. nach dem Regierungswechsel von 973 schnell Herr
geworden. Die Absetzung des Zänkers hatte aber nicht wirklich
zur Befreiung der Lage geführt.
Wenig später wagte Heinrich im Bündnis mit seinen
luitpoldingischen Verwandten, dem Herzog Heinrich von Kärnten
und dem Bischof Heinrich von Augsburg, erneut den Aufstand, in
dessen Verlauf er zusammen mit Heinrich von Kärnten im Sommer
977 Passau besetzte.
Die Stadt war aber schon im Vorjahre in die Kampfhandlungen
einbezogen gewesen und hatte dabei erhebliche Zerstörungen
erlitten. Im Juli 976 gewährte der Kaiser Pilgrim als Entschädigung einen Teil des in der Stadt zu
erhebenden Zolls und schenkte ihm die Marienabtei.
Bei der Belagerung und Einnahme durch die kaiserlichen Truppen
Ende September 977 wurde die Stadt dann offenbar völlig in
Schutt und Asche gelegt. Erneut erhielt Pilgrim eine Entschädigung: Der Kaiser übertrug ihm die Ennsburg sowie 10 bei Lorch
gelegene Königshufen. Fraglich ist inwieweit der Kaiser an der
Zerstörung der Stadt Schuld hat. Es ist durchaus möglich, dass
der Kaiser die Befestigungen schleifen ließ, um Heinrich dem
Zänker jede Möglichkeit zu nehmen, sich in diesem wichtigen
Brückenkopf nach Böhmen erneut festzusetzen.
Das Ergebnis der Auseinandersetzungen bedeutete letztlich einen
großen Erfolg für Pilgrim: Der Herzog
war endgültig aus der Stadt verdrängt, und mit der Schenkung
der Abtei
Niedernburg an den Bischof räumte
das Königtum seine Position hier freiwillig; im Ringen um die
Stadtherrschaft hatte der Bischof nun keine ernsthaften
Konkurrenten mehr.
bearbeitet von:
Melanie Sedlmair
(17.8.2004)