Passauer Domdekan, Reiseschriftsteller, Chronist
(auch bekannt unter Tagino, Tegno oder Tagno ; Aussprache: Betonung auf der ersten Silbe)
| 1184 und 1188 | als Notar und Kaplan des Passauer Bischofs Dietpold von Berg (+ 03. November 1190, Tripolis) beurkundet. |
| 1189 | wird Tageno zum Domdekan ernannt. |
| Mai 1189 | Zusammen mit sechs weiteren Mitgliedern des Domkapitels folgt er Bischof Dietpold auf dem so genannten dritten Kreuzzug, der von Kaiser Friedrich I. Barbarossa (= Rotbart) (1152 1190), Richard I. Löwenherz von England (1189 1199) und Philipp II. Augustus von Frankreich (1180 1223) angeführt wurde. Dabei wurde das größte Heer des Mittelalters zusammengeführt. |
| Als Erstes brach das deutsche Kontingent von Regensburg aus auf, dem sich die Passauer am 16. Mai 1189 anschlossen. | |
| Mai 1190 | Das deutsche Heer erzielte einen glänzenden Sieg über seldschukische Truppen bei Ikonion und gelangte bald darauf nach Armenien. |
| Juni 1190 | Kaiser Friedrich I. Barbarossa, der mächtigste Herrscher und "natürliche Herrscher" des großen Kreuzzuges, stirbt am 10. Juni 1990 völlig unerwartet durch Ertrinken im Fluss Saleph. Das Heer bricht daraufhin auseinander, etwa die Hälfte der Kreuzfahrer kehrte heim, und nur wenige folgten dem Sohn des Kaisers, Herzog Friedrich von Schwaben (1167 1191), und nahmen am Kreuzzug Richards I. und Philipps II. teil. |
| Kurze Zeit später erliegt Tageno als letzter der Passauer Domherren in Tripolis der Pest. |
Der große Verdienst Tagenos bestand im Führen eines Intinerars, eines Tagebuchs, in dem er sehr genau den Verlauf des dritten Kreuzzuges protokollierte. Es gehört daher zu den wichtigsten Quellen dieses Kreuzzuges.
Sein Bericht reicht vom Auszug des Bischofs Dietpolds aus Passau im Mai 1189 bis zur Ankunft des Heeres in Antiochia am 21. Juni 1190.
Eine Abschrift seines Reports sandte Tageno an das Kloster Reichersberg. In der Chronik des Magnus von Reichersberg, die von Wilhelm Wattenbach 1859 in den Monumentae Germaniae herausgegeben wurde und die u.a. die gesammelten Nachrichten über den dritten Kreuzzug enthält, wird von S. 50915 bis S.51642 auf jene Abschrift Bezug genommen.
Auch wurde von einem weiteren Geistlichen der Passauer Diözese, dem so genannten Ansbert, welcher ebenfalls den Kreuzzug mitgemacht und beschrieben hatte, Tagenos Büchlein als Basis benutzt. Dadurch entstand die als Augenzeugenbericht wertvolle Historia de expeditione Friderici.
Zusammen mit der Schrift Ansberts und anderen Quellen ist der Bericht Tagenos als die Grundlage für die so genannte Historia peregrinorum anzusehen.
bearbeitet von:
Katja Kramer
(18.8.2004)