Awaren

Als Awaren bezeichnet man jene Volksgruppe, die vom 6. bis 8. Jahrhundert Pannonien (heutiges Ungarn und Teile Österreichs) beherrschte.

Ursprünglich stammte dieses nomadische Reitervolk aus Innerasien, von wo es während der Völkerwanderungszeit nach Europa vordrang und die durch die Wanderungen ehemals ansässiger Gruppen freigewordenen Gebiete besiedelte.

Durch wohl kalkulierte Machtpolitik, geschickte Diplomatie und hochspezialisierte Kriegsführung wuchs ihre Herrschaft und Stärke, was sie einerseits zu gefürchteten Gegnern, andererseits zu geschätzten Bündnispartnern werden ließ. Diese Autorität erklärt auch den enormen Reichtum, der vor allem durch Tributzahlungen wie etwa vom Byzantinischen Reich angehäuft werden konnte. Einen Bruchteil dieses Reichtums zeigen sowohl die bei Ausgrabungen gefundenen Grabbeigaben als auch der von den Franken erbeutete Teil des berühmten Awaren-Schatzes.

An der Spitze der awarischen Gesellschaft stand der so genannte Khagan als Alleinherrscher. Unter dem Khagan Bajan (ca. 560-583) erlangte das Awarenreich seine größte Ausdehnung und wurde die beherrschende Macht in Europa. Nach dessen Tod und der Niederlage beim Kampf um Byzanz im Jahre 626 begann ihre Macht zu schwinden. Durch zusätzliche interne Rivalitäten und Abspaltungen zerbrach nun auch der Zusammenhalt, der ehemals ihre Stärke ausmachte. Der Verlust dieser Einheit verhalf schließlich den Franken zur erfolgreichen Unterwerfung und somit zum endgültigen Niedergang des Awarenreiches.

Wichtigste Daten:

558 Erstes Auftreten der Awaren in Konstantinopel
561/2 Awaren dringen bis zur Elbe vor, werden vom fränkischen König Sigibert I. bei Magdeburg geschlagen
565/6 Awaren fallen erneut ins ostfränkische Gebiet ein und besiegen Sigibert;
Friedensvertrag mit Bajan, der kein weiteres Interesse an fränkischen Gebieten, wohl aber am Zugang zum Donaubecken hat.
582-626 Awaren erobern Sirmium und erhalten erhebliche Tributleistungen von Byzanz, scheitern aber 626 bei der Belagerung von Konstantinopel.
713/14 Awaren zerstören Lorch.
774 bzw. 788 Karl der Große wird König der Langobarden und setzt Tassilo III. von Bayern ab. Seitdem sind die Franken einzigen westlichen Nachbarn der Awaren.
791 Sommer: Karl der Große beschließt in Regensburg den Krieg gegen die Awaren.
September: Dreitägiges Feldlager in Lorch
Oktober: Vormarsch bis zur Raab-Mündung, aber eine Pferde-Seuche zwingt zur Rückkehr nach Regensburg über Savaria
Bis 793 Vorbereitungen für weiteren Kriegszug gegen die Awaren: intensive Aufrüstungen, Beginn der Arbeiten für einen Donau-Main-Kanal
793 Neuer Angriff: Tod des Khagans; sein Vertreter Tundun unterwirft sich und lässt sich taufen, regiert nun als Vasall.
Herbst: Teil des Schatzes wird erbeutet
Nach 796 Kein zusammenhängendes Awarenreich unter einheitlicher Führung
799 Aufstand der unterworfenen Awaren
803 Endgültiger Sieg über Awaren
Nach 803 Awaren gehen ethnisch in Slawen und Magyaren auf

Bezug zu Passau: Auf dem Weg zum Krieg gegen die Awaren passierte Karl der Große Passau. Nach dem Kriegsbeschluss im Sommer im Jahre 791 in Regensburg zogen Einheiten des fränkischen Heeres sowohl am nördlichen als auch am südlichen Ufer sowie eine Flotte auf der Donau nach Pannonien und machten dabei auch in Passau Station.

Anekdote: Der Einsatz einer Donauflotte während seines Zuges gegen die Awaren rief Karl den Großen auf den Plan, einen Kanal zwischen Altmühl und Regnitz zu erbauen und so eine Verbindung zwischen Donau und Rhein zu erschaffen. Wurde dieses Projekt auch aufgrund übermäßigen Aufwandes bereits sehr bald wieder aufgegeben, so wird es dennoch als Geburtsstunde der Idee des Rhein-Main-Donaukanals angesehen.

bearbeitet von: Birgitta Kastl
(3.8.2004)

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